Berlin Der Berliner Kabarettist Horst Evers (47) hat den Anpfiff zum sportlichen Großereignis in diesem Jahr gewissermaßen vorverlegt. In seinem neuen Erzählband dreht sich alles um den Fußball genauer um die Fußball-Weltmeisterschaft.

Mit "Vom Mentalen her quasi Weltmeister" will Evers in seiner gewohnt "streng subjektiven" Art seine Leser auf das Ereignis vorbereiten - wobei für ihn natürlich auch alles Mögliche am Rande der WM von Interesse ist. So eine Weltmeisterschaft macht einfach mehr Spaß, wenn man über die Nationen, die gegeneinander antreten, etwas mehr weiß, findet der Autor.

"Was macht diese Völker aus? Wie leben die Menschen dort? Was für eine Mentalität haben die so? Welche Geschichte? Welche Eigenheiten? Was essen die zum Beispiel gerne? Und warum?" Das sind die Fragen, die den Autor umtreiben. Dabei beschränkt sich Evers nicht nur auf die teilnehmenden Länder. Wenn er schon dabei ist, stellt er auch gleich Länder vor, die ebenfalls gut Fußball spielen, einfach sehr wichtig sind - oder einfach sehr viel Geschichte haben.

Rund 50 Länder kommen dabei zusammen, von denen Evers die jeweiligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen in der ihm ganz eigenen Art erklärt. Auch auf die speziellen fußballerischen Talente und Erfahrungen geht Evers ein. So erfahren wir, dass der Brasilianer schon "mit dem Ball am Fuß geboren" wird und dass die Griechen ihre enorm berühmte Geschichte auch im Fußball einsetzen - Achtung: Trojanisches Pferd auf dem Fußballfeld. Und dass die Defensiv-Taktik des Italieners eigentlich "eine Art umbrischer Tanz ist, bei dem man einfach nur immer wieder gegen eine Wand laufen muss".

Das kosmopolitische Wissen für seine lustige Völkerkunde zieht der "Geschichtenerzähler aus Berlin" dabei auch schon mal von ehemaligen WG-Mitbewohnern oder von den Freunden eigener Freundinnen. Wer in all dem Klischees vermutet, der liegt goldrichtig. Doch wer Evers kennt - oder sogar schätzt, wird nicht überrascht sein, dass der Autor sie wie gewohnt in seiner unverkennbaren, warmherzig-skurillen Art entwickelt, um sie aufs Korn zu nehmen und damit die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Der Leser muss sich nicht unbedingt für Fußball interessieren - eigentlich überhaupt nicht, um sich auf vergnügliche Lesereise um die Welt zu begeben. Und er erfährt ganz nebenbei auch, warum es in England so viel Nebel gibt und die Holländer eigentlich das Glashaus erfunden haben. Auch was Chile mit dem Maler Egon Schiele zu tun hat (nichts), welche Form die Seele des Russen hat (die eines Glases, in das man tief hineinblicken muss, um ihn zu verstehen) und dass Polen praktisch wie ein riesiges Bandenburg ist, nur nicht so dicht besiedelt.

Der gebürtige Niedersachse lebt mit seiner Familie in Berlin. Auch dort hat er sich vor allem mit seinen Lesungen eine treue Fangemeinde geschaffen und ist seit Jahren mit kleinen Geschichten Stammgast bei Radio eins. Seit 2011 veröffentlicht Evers in jährlicher Folge Romane und Erzählungen. Übertreffen lassen sich seine verschmitzten Geschichten aus dem Alltag höchstens, wenn Evers sie selbst vorträgt.


- Horst Evers: Vom Mentalen her quasi Weltmeister. Rowohlt Verlag Berlin, 269 Seiten, 18,95 Euro, ISBN 978 3871347764.