Reinbek - Auch die viel diskutierte "Rente mit 63" wirft für viele Menschen die alte Frage auf, ob danach nun der bessere Teil des Lebens oder doch ein Haufen Probleme auf sie warten.

Erst sehnlichst erwartet, ist der Ruhestand für manche Menschen dann allzu wörtlich genommen doch nicht so gemütlich - neben finanziellen Fragen gibt es auch psychologische Fallen. Für einige stellt sich bald die Frage, nachdem die "Mühle Arbeit" die Räder ihres Lebens angetrieben hatte, was man eigentlich den lieben langen Tag so machen kann, wenn man "in Rente" ist. Der Autor und Journalist Wolfgang Prosinger, selbst Jahrgang 1948, hat die vor allem eher psychologischen Probleme dabei in seinem Buch "In Rente" aufgegriffen.

Dafür hat er nicht nur seine eigenen Erfahrungen aufgegriffen, sondern auch mit zahlreichen betroffenen Menschen gesprochen, die auf die Rente zugehen oder schon länger im Ruhestand sind. Als zentrale Figur schuf er dafür zwar die Kunstfigur Thomas Hecker, in der aber Prosingers eigene Erfahrungen und die Berichte seiner zahlreichen Gesprächspartner eingeflossen sind.

Es geht um die zentralen Fragen: Ist das Alter nun "eine erlesene Zeit des Lebens", wie es der römische Philosoph Seneca formulierte, oder doch "ein Massaker", wie der US-amerikanische Schriftsteller Philip Roth meint, oder eine Kette von Verlusten, wie Prosinger argwöhnt, und auch eine "zweite Pubertät"? Oder schlicht "furchtbar langweilig", wie es manche einst gefeierte Berühmtheiten bejammern? Und kann man das Altsein eigentlich lernen?

Der Autor geht all diesen Fragen mit Beobachtungen bei sich selbst und in seiner Umwelt nach, teils mit nüchtern-scharfem Blick, teils mit manchmal etwas melodramatisch-philosophischen Bemerkungen ("Melodie des alten Lebens war verstummt"), aber auch mit erfrischend ironischen Untertönen nach. "Beruf verbindet, Rente trennt", ist eine seiner zentralen Erfahrungen und Erkenntnisse. Denn eigentlich hatte er - also im Buch die Kunstfigur Hecker - im Beruf ja nicht nur gearbeitet, "eigentlich habe ich hier beinahe gewohnt". Ist er der Arbeit sogar "hörig gewesen", sei er ohne sie nichts? "Gibt es Menschen, die für ein Leben ohne Arbeit einfach nicht gemacht sind?"

Er musste an den Loriot-Film "Pappa ante portas" denken, in dem es um das Drama des vorzeitigen Ruhestands geht. Damals habe er viel gelacht, aber jetzt sei ihm das Lachen vergangen. Denn Ruhestand "kann eine sehr ernste Sache sein". Aber vielleicht kann man "das Altsein lernen", blickt der Autor schließlich doch noch etwas hoffnungsfroh in die "alte Zukunft". Und vielleicht hilft manchen betroffenen Lesern sogar das kleine Buch dazu.

- Wolfgang Prosinger: In Rente - Der größte Einschnitt unseres Lebens. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg. 237 Seiten, Hardcover 19,95 Euro, E-Book 16,99 Euro,
ISBN 978 3 498 05314 7.