Köln - Die 1888 in Washington gegründete National Geographic Society war nie ein exklusiver Klub: Von Anfang an sprach sie nicht nur Wissenschaftler an, sondern alle an der Welt interessierten Menschen.

Auch das bald aus der Taufe gehobene Magazin zielte auf ein großes Publikum, wenngleich die drucktechnischen Möglichkeiten anfangs nicht viele Abbildungen zuließen. Doch im Bemühen, den Lesern ein Fenster zur weiten Welt zu öffnen, wurden die Mitarbeiter des Magazins zu Pionieren der Fotografie und der Drucktechnik.

Nun - nach fast 1500 Ausgaben des "National Geographic" - bietet ein dreiteiliger, gewaltiger Bildband des Taschen-Verlags eine Reise durch Raum und Zeit mit Bildern aus den Archiven der Zeitschrift, die zum Teil noch nicht veröffentlicht wurden. Die Schlaglichter, die die Fotos auf eine Weltregion werfen, sind nicht chronologisch geordnet, vielmehr erscheinen sie wie zu einem Gesamtkunstwerk komponiert.

Der erste Band umfasst Nord- und Südamerika sowie die Polargebiete, der zweite Europa und Afrika und der dritte Asien und Ozeanien. Die berühmten Unterwasseraufnahmen sind auf alle drei Bände verteilt. Jeder Band wird von zwei kurzen Artikeln eröffnet, danach sprechen die Bilder. Jede Aufnahme ist begleitet von einem kurzen Text, der neben dem Namen des Fotografen, dem Ort und dem Jahr einige Informationen zum Hintergrund des Bildes enthält.

Zu den Fotografen gehören berühmte Könner wie Frans Lanting, James Nachtwey, Steve McCurry oder George Rodger. Eine ganze Reihe von Aufnahmen stammen von dem Deutschen Volkmar K. Wentzel, der Ende der 1940er Jahre den Auftrag hatte, Indien am Vorabend seiner Unabhängigkeit zu dokumentieren; fast zwei Jahre blieb Wentzel auf dem Subkontinent.

Auch das vielleicht berühmteste Bild des Magazins fehlt nicht: eine junge Afghanin mit rotem Umhang und grünlichen, vom Schrecken des Krieges geweiteten Augen. Steve McCurry machte die Aufnahme in einem Flüchtlingslager in Pakistan, das Foto erschien auf dem Titel der Juni-Ausgabe 1985. Nach dem Sturz der Taliban-Regierung reiste McCurry 2002 wieder in das Flüchtlingslager und machte anhand des Fotos die Frau ausfindig. Sharbat Gula, so ihr Name, hatte das Bild, das in der Zwischenzeit zu einem Symbol für das Leiden ihres Volkes geworden war, noch nie gesehen.

Neben den beeindruckenden Bildern lässt auch die Ausstattung der Bildbände nichts zu wünschen übrig. Sehr praktisch sind die Schuber der drei Bände, die sich zu Buchständern umfunktionieren lassen. Auf ihnen lässt sich gut in den Büchern blättern. Als Fazit bleibt: Ein rundum gelungenes Werk auf höchstem ästhetischen Niveau. Günstig ist das Vergnügen allerdings nicht.

- Reuel Golden (Herausgeber): In 125 Jahren um die Welt, Verlag Taschen, Köln, 1468 Seiten, 399 Euro, ISBN: 978-3-8365-5034-5.