Frankfurt/Main - In seinem neuen Roman "Zacharias Katz" blickt Burkhard Spinnen zurück auf die Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Und er erzählt von dem jungen Mann, der dem Buch den Titel gegeben hat: Zacharias Katz.

Seine Eltern wandern als Teenager aus einem Dorf im Rheinland nach Pennsylvania aus und heiraten noch auf der Überfahrt. Der Vater, streng und fromm, verdient später ein kleines Vermögen mit Landmaschinen. Der Sohn kann damit nichts anfangen. Sein Vater besorgt ihm eine Stelle als Lehrling bei den "Patriot News". Der Deal lautet: Entweder hat er als Journalist Erfolg, oder er muss die Firma übernehmen. Zacharias schlägt ein.

Schon bald wechselt er zu einer Zeitung in Philadelphia, später nach New York. Zufällig entdeckt er dort ein Talent, von dem er nichts gewusst hatte: Er macht nach einer Aufführung einen Verbesserungsvorschlag für einen Schlagertext. Der Komponist des Liedes ist begeistert, und schon arbeiten die beiden zusammen. Doch als Katz bald danach 1914 auf Kuba Urlaub macht, bekommt er plötzlich ein beunruhigendes Telegramm von ihm: "Achtung! Lebensgefahr! Komm nicht zurück."

Katz flieht auf die "Präsident", ein Schiff der deutschen Reederei Hapag, die durch die Karibik kreuzt, nach Puerto Rico zum Beispiel oder nach Haiti. An Bord lernt er eine Reihe ungewöhnlicher Passagiere kennen wie den Dänen Frederik Mogensen. Die Geschichte, die Spinnen über ihn erzählt, gehört zu den stärksten Passagen: Mogensen hat einen Hund namens Grimson, dem er etliche Tricks beigebracht hat und dem er mit einer Zuneigung verbunden ist wie keinem anderen Lebewesen. Nur nervt er mit den Kunststückchen und dem Gerede darüber einige andere Passagiere dermaßen, dass der Hund eines Tages verschwunden ist - offenbar über Bord gegangen. Mogensen begeht Selbstmord, kurz danach taucht Grimson wieder auf.

Einige solcher Episoden sind kleine Glanzstücke. Aber sie fügen sich nicht so aneinander, dass ein beeindruckender Roman daraus würde. Die Klammer bleibt Katz, eine Figur, die schnell die Sympathie des Lesers gewinnt. Aber je mehr er auf der "Präsident" zum Erzähler der Geschichten anderer wird, umso blasser wird seine eigene Geschichte, auch wenn das Schiff in den Strudel der Weltpolitik gerät und schließlich der Krieg ausbricht.

Spinnen hat einen Roman versucht, der kompositorisch hohe Ansprüche stellt, aber das Ergebnis ist nicht so, dass man das Buch vor Spannung nicht mehr aus der Hand legen könnte. Statt vieler Episoden über die Passagiere an Bord hätte man lieber noch mehr über Katz selbst erfahren. Schließlich ist der Roman nicht zufällig nach ihm benannt: Er ist die interessanteste Figur.

- Burkhard Spinnen: Zacharias Katz. Schöffling & Co., Frankfurt am Main, 340 Seiten, 21,95 Euro, ISBN 978-3-89561-045-5.