München - George Foss führt ein geruhsames Leben - ereignislos und ein wenig langweilig. Wenn ein "Normalo" wie er zum Romanhelden wird, ist schon klar, dass etwas Außergewöhnliches geschehen muss.

In Georges Fall ist es das Wiedersehen mit einer Jugendfreundin. Sie ist "Die Unbekannte", die seinen Alltag auf den Kopf stellen wird - in Peter Swansons gleichnamigem Debütroman.

Der Schritt ins Thriller-Genre gelang dem US-Amerikaner aus Massachusetts, der bislang vor allem Gedichte und Kurzgeschichten veröffentlichte, vorzüglich. "Die Unbekannte" ist ein spannender Mix aus Frevel, Erotik und ungewöhnlichen Wendungen - bis zum sehr interessanten Ende, das die Phantasie des Lesers fordert.

Auch George Foss muss seinen Einfallsreichtum gewaltig aktivieren, um mit dem, was ihm widerfährt, fertig zu werden. Als Liana Decter, Georges erste Liebe, die er zwanzig Jahre nicht gesehen hat, wie aus dem Nichts wieder auftaucht, schwant dem Buchhalter bei einer Literaturzeitschrift bereits, dass es mit seiner Ruhe vorbei sein wird. Er hatte die Schöne aus der Collegezeit nie ganz vergessen.

Liana bittet George um einen Gefallen: Er soll von ihr gestohlenes Geld dem Besitzer zurückbringen, womit das Unheil seinen Lauf nimmt. George lässt sich wider besseres Wissen darauf ein und gerät umgehend in Lebensgefahr und in ein Netz von Verbrechen, die von Betrug bis Mord reichen. George will wissen, wie weit Liana darin verstrickt ist. Die Bekannte wird für ihn immer mehr zur Unbekannten.

Diese Entwicklung ist Swanson bestens gelungen: In den eingestreuten kursiv geschriebenen Kapiteln erfährt der Leser, was vor zwanzig Jahren geschah, als Liana urplötzlich nicht mehr ins College zurückkam. Die Frau wird immer rätselhafter, je mehr sich das Chaos lichtet. Alles in allem ein fesselnder Krimi, in dem mal nicht die Ermittler im Mittelpunkt stehen.

Peter Swanson: Die Unbekannte, Blanvalet Verlag, München,
320 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7645-0486-1