Berlin - Thomas Mann sollte an einem "politischen Zeit-Film" mit einer "Huldigung für die heroische Leistung des Griechenvolkes" mitwirken.

Diese Idee einer modernen Filmversion des klassischen Ulysses-Stoffes trug 1942 der - wie Mann - emigrierte deutsche Schauspieler Reinhold Schünzel ("Viktor und Viktoria") dem Autor der "Buddenbrooks" vor. Mann zeigte sich aufgeschlossen und schrieb erste Ideen dazu nieder. Dieses Filmprojekt wurde allerdings ebensowenig verwirklicht wie ein früherer Plan in den 20er Jahren, den mittelalterlichen Tristan-und-Isolde-Stoff zu verfilmen, wozu Mann ein ausführliches Exposé entwarf ("Tristan liegt im Kerzenschein", heißt es da am Ende).

Diese und andere Dokumente und Texte wie auch Manns einziges, im Renaissance-Florenz der Medici angesiedeltes Drama "Fiorenza" sind in einer jetzt im S. Fischer Verlag erschienenen zweibändigen Buchkassette enthalten ("Fiorenza - Gedichte - Filmentwürfe - Text und Kommentar"). Die Dokumente werden ergänzt durch aufschlussreiche Kommentare und Hintergrundinformationen von Elisabeth Galvan.

So bezeichnete Mann in seinem schriftlich fixierten Plan, "die Rückkehr des Odysseus zu modernisieren", das damals von den Deutschen besetzte Griechenland als ein Land, "das sich auf Grund seiner Geschichte und seines Mythos als ein Symbol der Menschheit fühlen darf". Der "Leistung des Griechenvolkes in diesem Kampf um die Ehre der Menschheit" sei der Film eine Huldigung bisher schuldig geblieben. Dem Literaturnobelpreisträger schwebte "ein packendes, menschlich erregendes, zugleich ernstes, seelisch gehaltvolles und unterhaltendes, ja sensationelles Spiel" vor.

Während der Arbeiten am "Zauberberg" hatte Mann im Dezember 1922 mit der Decla-Filmgesellschaft in Berlin einen Vertrag zur Verfilmung der "Buddenbrooks" abgeschlossen. Der Stummfilm in der Regie von Gerhard Lamprecht ("Emil und die Detektive") wurde am 1. September 1923 in Berlin uraufgeführt. Danach überredete der aus Wien stammende Theater- und Filmschauspieler Rolf Randolf die Brüder Viktor und Thomas Mann an seinem "Tristan und Isolde"-Filmprojekt mitzuarbeiten, wohl auch, wie Elisabeth Galvan in ihrem Kommentar meint, weil ihm Thomas Mann durch die Tristan-Novelle und das Wagner-Kapitel in den "Buddenbrooks" für das Sujet besonders geeignet schien.

Und tatsächlich entwarf Thomas Mann einen Grundriss für das Gemeinschaftswerk, den Viktor Mann 1949 in seinem Erinnerungsbuch ("Wir waren fünf") erstmals veröffentlichte. Als Schauplatz der meisten Außenaufnahmen war die Gegend um Kap Arkona auf der Insel Rügen vorgesehen. "Thomas Mann als Filmdichter" überschrieb eine Zeitung damals ihren Bericht über das geplante Kinoprojekt.

Der jetzt erschienene Band präsentiert "als große Rarität" (Verlag) die filmischen Arbeiten, sämtliche Gedichte und das Renaissancedrama "Fiorenza", das 1905 in Buchform erschien und 1907 uraufgeführt wurde. Dazu gehört ein reicher Kommentar.

- Thomas Mann: Fiorenza, Gedichte, Filmentwürfe (Große kommentierte Frankfurter Ausgabe), S. Fischer Verlag, 160 Seiten (Textband), 504 Seiten (Kommentarband), 54 Euro im Schuber. Text und Kommentar sind auch als Einzelbände erschienen. ISBN 978-3-10-048318-8.