Berlin - Sie hat angeklebte Fingernägel, einen Hund in Handtaschengröße und einen Sohn namens Tschastin. Nur eines hat sie nicht: Ahnung von Grammatik. Das Buch "Schantall, tu ma die Omma winken!" über die prollige Schantall Pröllmann brachte den Autor Kai Twilfer im vergangenen Jahr an die Spitze der Bestseller-Liste.

Nun tut er an den überraschenden Erfolg anknüpfen, wie es die Anti-Heldin seines Buches ausdrücken würde - und legt mit "Schantall, tu ma die Omma Prost sagen!" nach.

Anders als in Twilfers Erstlingswerk hat Schantall es darin allerdings zumindest vorerst aus der Unterschicht von Bochtrop-Rauxel irgendwo im Ruhrgebiet in die Upper-Class von Düsseldorf geschafft - durch die Ehe mit dem gutbetuchten Cedrik.

Warum sie dort noch immer den fiktiven Sozialarbeiter Jochen an ihrer Seite braucht, der bereits im ersten Teil aus der Beobachterperspektive erzählte, erschließt sich dem Leser allerdings nicht gänzlich. Wer die charakteristischen Satzkonstruktionen mit "tun" plus Vollverb mag, dürfte allerdings voll auf seine Kosten kommen.

Beispiele gibt es genug. Etwa wenn Schantall beim Schuhkauf auf ihre Erzfeindin Kimberley trifft, die sich gerade mit ihrem Handtaschen-Hund zum Schönheitswettbewerb "Doggy Style" angemeldet hat: "Guck ma, Kimberley! Da ganz hinten, da steht \'ne Packung Leck-mich-am-Arsch", kontert Schantall in dieser Episode. "Wie wär et denn, wenn du da ma hingehen tust und dich bedienst?" Dass sich Kimberley später lieber an Schantalls Gatten bedient, ahnt sie da freilich noch nicht.

Bis das soweit ist, gibt es noch ein Klassentreffen ("Ey, isch dachte, Sie sind schon lange tot und so!"), einen Ausflug nach Sylt ("Wie, dat Wasser tut weggehen, wenn der Mond dat anzieht? Wat hat dat Wasser denn mit den Mond zu tun, Jochen?") und einen Besuch im Tierheim zwecks Mini-Hund-Anschaffung ("Dat Lecken und Sabbern kann man jetzt nicht so direkt abstellen tun, oder?")

Für diejenigen, die sich nicht schon beim Lesen der Entgleisungen von Proll-Schantall überaus gebildet vorkommen, hält der Autor nach jedem Kapitel gewissermaßen einen Moral-von-der-Geschichte-Teil bereit. Darin kritisiert Twilfer etwa übertriebene Tierliebe, arbeitet sich am deutschen Schulsystem ab oder sinniert über Kindererziehung. Recht passen will der erhobene Zeigefinger zu dem ansonsten sehr klamaukig angelegten Buch allerdings nicht.

Dass "Schantall, tu ma die Omma Prost sagen!" bisweilen recht platt anmutet, liegt wohl nicht zuletzt am Thema des Buches. An humoristischem Reiz büßt das Buch allerdings vor allem dadurch ein, dass der Autor sämtliche Witze bis ins kleinste Detail auflöst.

Bei der Beschreibung eines Poloturniers etwa beweist Twilfer zwar Humor, wenn er feststellt, dass "alle Reitwettbewerbe auf dem Rücken eines Pferdes ausgetragen" werden. Der hinterhergeschobene Zusatz "Egal, ob physisch oder psychisch" nimmt dem durch die deutliche Auflösung allerdings den Charme - und wirkt ein wenig, als unterstelle der Autor seinen Lesern denselben Intelligenzquotienten wie seinen Hauptfiguren.

Zu stören scheint das jedoch nicht allzu viele Leser: Twilfer ist nach dem Erfolg des ersten Teils mit den Geschichten um die Proll-Familie inzwischen auf Comedy-Tour. Und wer von seinem Humor und Schantalls Grammatik gar nicht genug bekommen kann: Ein drittes Buch tut der Autor nicht ausschließen.

- Kai Twilfer: Schantall, tu ma die Omma Prost sagen. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 224 Seiten, 9,95 Euro, SBN 978-3-86265-382-9.