Zürich - Es klingt genauso anregend wie es aussieht: "Brunos Kochbuch: Rezepte und Geschichten aus dem Périgord".

Schon länger - genauer gesagt, seit gut sechs Jahren - serviert der Schotte Martin Walker südwestfranzösische Küche, appetitlich angerichtet in einem mehr oder weniger kriminellen Umfeld. Das ist das Revier des Chef de police, Bruno. Der Dorfpolizist ist eine Art Alter Ego Walkers, der hier im Périgord seinen beiden Leidenschaften frönt: Bösewichte jagen und wohlschmeckende Gerichte kochen.

Schön, dass der herausgebende Diogenes Verlag nun Brunos kulinarische Highlights aus den bisher seit 2008 erschienenen sechs Walker-Krimis in einem Band zusammengefasst hat. Dabei ist es mehr als das Wiederkäuen bereits bekannter Schmeckerchen und viel mehr als "nur" ein Kochbuch: Neben 100 Rezepten sprechen wunderschöne Fotos aus dem Périgord - Landschaften, Dorfleben, Schlemmereien und deren heimische Zutaten - den Genießer ebenso an wie die Geschichten rund um die historische Provinz Frankreichs, die der erfolgreiche Schriftsteller und politischer Journalist aus Großbritannien seit 1999 zu seiner Heimat erkoren hat.

Als Zugabe obendrauf sind zwei kleine kulinarische Fälle für Bruno am Ende des Buchs in einem Extra-Heft versteckt. Ja, und am Anfang steht ein "Amuse Bouche", ein kleiner Vorgeschmack. Darin macht Walker allen, die sich inspirieren lassen wollen Mut: "Aufgepasst! Dies ist kein gewöhnliches Kochbuch. Geschrieben hat es nicht etwa ein Profikoch, sondern jemand, der einfach gutes Essen liebt (...). Das Périgord ist für jemanden wie mich, der gern kocht, ein wunderbarer Lehrer und eine Quelle der Inspiration."

Tatsächlich sind die Gerichte meist einfach, wie beispielsweise ein simpler Tomatensalat, der nur durch Frische und Qualität der Zutaten besonders wird, was bedeutet: Sonnengereifte, nach Tomaten schmeckende Früchte sind nicht im Discounter zu haben. Generell ist Walkers/Brunos Küche nicht in jedem Fall für den schmalen Geldbeutel geeignet. Doch sind manche Zutaten durchaus austauschbar. Vielleicht sollten beispielsweise Gourmets mit einem zu hohen Cholesterinspiegel das gern verwendete Gänseschmalz lieber mal durch pflanzliches Fett ersetzen.

Der Fantasie des Hobbykochs setzt Walker jedenfalls keine Grenzen und ermuntert zu eigener Kreativität. Wie er auch bei jedem Gericht immer noch einen Extra-Tipp parat hat. So werden das Gratin de poirreaux au fromage (Lauchgratin mit Speck und Käse überbacken), die Tourain blanchi à l\'ail (Knoblauchsuppe) oder auch die Terrine de foie gras (Leberterrine) sicher gelingen. Und wer mag, reicht dazu ein selbstgebackenes Pain de Camapagne (Französiches Landbrot), nicht zu vergessen den selbstangesetzten Vin de noix (Walnuss-Wein). Bon appétit!

- Martin Walker, Brunos Kochbuch: Rezepte und Geschichten aus dem Périgord, Diogenes Verlag Zürich, 320 Seiten, 28,90 Euro, ISBN 978-3-257-06914-3