Berlin - "Extinction" nennt der japanische Schriftsteller Kazuaki Takano seinen neuesten Roman, also "Auslöschung". Und der Tod Einzelner, einer größeren Gruppe und auch einer ganzen Art steht auch ständig als Bedrohung über allen handelnden Personen.

Der Roman beginnt als klassischer Actionthriller. Der Söldner Jonathan Yeager, der im Irak für eine private Militärfirma arbeitet, wird für einen geheimen Auftrag angeworben. Im Kongo sei eine neuartige Form von Ebola aufgetaucht, und gemeinsam mit drei anderen Söldnern soll er einen infizierten Pygmäenstamm auslöschen.

Zur gleichen Zeit beginnt ein völlig neuer Handlungsstrang. Ein japanischer Pharmaziestudent erhält eine Nachricht seines gerade verstorbenen Vaters. In einem geheimen Labor soll er in nur vier Wochen ein neuartiges Medikament entwickeln. Helfen bei dieser Aufgabe sollen ihm zwei Computer, auf denen außerordentlich weit entwickelte Programme installiert sind.

Erst einmal konzentriert sich der Roman aber auf die Söldner und ihre Suche nach den Pygmäen. Die vier Männer sind bedrückt von der Aussicht, 40 Menschen zu töten, retten sich aber mit der ihnen gegebenen Begründung: "Wenn das Virus sich über diese Region ausbreitet, könnte die Menschheit ausgerottet werden."

Für zusätzliche Besorgnis sorgt allerdings eine ungewöhnliche Anweisung: "Wenn Sie einem Lebewesen begegnen, das Sie noch niemals gesehen haben, töten Sie es unverzüglich."

Einen dritten Handlungsstrang eröffnet Takano mit der Figur des amerikanischen Regierungsberaters Arthur Rubens. Er soll die Mission im Kongo von Washington aus überwachen, stellt aber schnell fest, dass die skrupellosen Minister leicht als kaum verschleiertes Porträt der Regierung von George W. Bush zu erkennen nicht das Wohl der Menschheit im Sinn haben, sondern nur ihre eigene Machterhaltung um jeden Preis.

Lange Zeit stehen die Handlungsstränge nebeneinander, so als habe Takano unterschiedliche Romane zusammengeschoben. Die Dschungelszenen sind vom erfahrenen Drehbuchautor Takano routiniert inszeniert, aber die langen Passagen, in denen die Forschungen an dem neuen Medikament beschrieben werden, setzen bei den Lesern erhebliche Vorkenntnisse voraus.

Erst allmählich verknüpft Takano die verschiedenen Stränge. Dabei wird klar, dass es im Roman um eine ganz andere Art der Bedrohung geht. Durch eine abgefangene Email erfuhr der amerikanische Geheimdienst davon, dass bei dem Pygmäenstamm im Kongo ein neuartiges Wesen geboren wurde, das eine Weiterentwicklung des Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten sein könnte. Dieses Wesen könnte eine Bedrohung darstellen, entscheidet die Regierung, und daher soll es sterben.

Takano hat in "Extinction" eine aufwendige Szenerie konstruiert, die sich über drei Kontinente erstreckt und immer wieder überraschende Wendungen zeigt. Allerdings braucht der Roman lange, um wirklich in Fahrt zu kommen. Hat man sich jedoch einmal auf die Grundbedingungen der Erzählung eingelassen, bietet der Roman äußerst spannende Unterhaltung.

- Kazuaki Takano: Extinction. Verlag C. Bertelsmann, München, 557 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-570-10185-8.