Berlin Arne Dahl ist einer der international erfolgreichsten Krimiautoren Schwedens. Im Mittelpunkt seiner neuesten Reihe steht eine EU-weit agierende Sonderermittlungsgruppe, Opcop genannt, eine Art geheimes FBI von Europol, die im Verborgenen gegen das Böse in Europa kämpft.

Mit einem Knalleffekt beginnt Dahl (52) seinen neuen Roman. Ein namenloses Paar, das ein einsames Leben auf einer Südseeinsel führt, wird aus heiterem Himmel von einer ferngelenkten Rakete angegriffen. Wer sie sind, warum sie getötet werden sollen und was es mit der Episode auf sich hat, bleibt erst einmal unklar.

Die Opcop-Gruppe wird aktiviert, als ein schwedisches Unternehmen Opfer einer Hackerattacke wird. Die Brisanz liegt darin, dass die erbeuteten Daten bahnbrechende Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Biotechnologie sind und die Spuren nach China führen.

Ein Ermittlerpaar wird nach Shanghai geschickt, um herauszufinden, wer sich tatsächlich hinter dem Angriff verbirgt. Verwirrende Spuren, unklare Loyalitäten und Verdächtige wohin man blickt: Die Ermittlungen in China sind voller Spannung und Überraschungen. Hier erweist sich Dahl als Meister des Actionthrillers.

"Hass" ist nicht einfach nur das Ende der Opcop-Serie, der Roman rundet die Reihe auch ab und greift dabei Erzählstränge der Vorgängerromane auf. So schlägt Dahl den Bogen zu den düsteren Machenschaften der Operateure, die in "Zorn" für Angst und Schrecken gesorgt hatten. Auch ein geheimnisvolles Sicherheitsunternehmen taucht wieder auf, das zuvor schon eine zweifelhafte Rolle gespielt hatte.

Wahrlich dramatisch wird es, als der Chef der Ermittlergruppe eine Videodatei zugespielt bekommt, die ein Rätsel aus einem früheren Roman vorantreibt. Warum mussten zwei Ermittler sterben, als ein Schloss in Süditalien niederbrannte? Das Video zeigt, dass die beiden Gruppenmitglieder doch noch leben könnten. Der Roman widmet der Vorgeschichte des Anschlags sehr viel Raum und zeigt, wie sehr Hass Triebfeder des Bösen werden kann und "wie schnell Geld und Geldgier den Menschen zum Teufel werden lassen".

Immer weiter treibt Dahl die Extreme in seinem neuen Roman. Die Bösen, die in den ersten drei Romanen des Zyklus schon böse waren, kehren zurück und sind noch viel schlimmer als zuvor. Der Druck auf die Ermittler wächst ins Unerträgliche und treibt sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Zugleich werden aber auch die technischen Möglichkeiten im Kampf gegen das Verbrechen immer ausgefeilter und mächtiger. Eine Frage schwebt über allen Ermittlungen und treibt die Polizisten schier zur Verzweiflung: "Wer hatte die Macht, das alles zu organisieren?"

Dahl schafft es tatsächlich, die so unterschiedlichen Erzählstränge zu einem großen Finale zusammenzubringen. Wie in einem Western stehen sich schließlich die Guten und die Bösen gegenüber und kämpfen die Sache aus.

Arne Dahl konzentriert sich in seinen Romanen darauf, seine Leser mit spannenden Handlungen zu unterhalten. Dies gelingt ihm in "Hass" wie in seinen früheren Romanen. Aber ebenso auffällig ist der moralische Zeigefinger, mit dem er immer wieder auf soziale Probleme zeigt.

All das ist nicht immer überzeugend. Manche Geistesblitze der Ermittler sind einfach zu clever, einige Verbrecher zu böse und die technischen Möglichkeiten zu sehr Wunschdenken. Aber dass "Hass" zu jeder Zeit spannende Unterhaltung liefert, ist unbestreitbar.

- Arne Dahl: Hass. Piper Verlag, München, 575 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-492-05538-3.