Berlin Die schrecklichen Bilder sind noch all zu gut in Erinnerung: Im Mai 2013 überfielen zwei Männer am helllichten Tag mitten in London einen Mann und brachten ihn auf brutalste Weise um. Dabei ließen sie sich in aller Ruhe von einem Passanten mit einem Handy filmen.

Sie sprachen sogar noch mit dem Filmenden, bis endlich die Polizei kam, von der sie sich ganz ruhig festnehmen ließen.

Mit dieser detailliert beschriebenen, der Realität sehr ähnlichen Szene beginnt Zoë Beck ihren Roman "Schwarzblende". Die Hauptfigur ist Niall, ein Kameramann, der sich zufällig am Tatort aufhält. Sein beruflicher Instinkt veranlasst ihn, die Männer zu filmen, noch bevor sie ihre Tat beginnen. Als die Mörder dies mitbekommen, posieren sie extra für ihn und bringen ihn dazu, die Aufnahmen ins Internet hochzuladen.

So scheint Niall auf einmal ein Komplize zu sein und landet für eine schwere Nacht im Gefängnis. Dann ändert sich allerdings sein Schicksal. Die Aufnahmen im Internet haben ihn bekanntgemacht. Ein Fernsehsender engagiert ihn sogar, um eine Dokumentation über die Terroristen und ihr Umfeld zu drehen. Sein Auftrag ist eindeutig: "Zeig allen da draußen, was in diesem Land gerade passiert."

Niall begibt sich auf Entdeckungsreise in unbekanntes und gefährliches Territorium. Ohne Plan trifft er Freunde und Verwandte der Mörder. Der Wahrheit kommt er jedoch nicht näher.

Bald ändert sich Nialls Schicksal dramatisch. Ein angesehener Fotograf wird entführt, und Niall wird Augenzeuge eines weiteren Terroranschlags. Seltsame Dinge geschehen um ihn herum, die er sich nicht erklären kann. Dabei nimmt die Innenministerin, die Niall seit seiner Kindheit kennt, eine immer seltsamere Rolle ein.

Wahrlich dramatisch wird "Schwarzblende", als Niall eine Botschaft des entführten Fotografen erhält. Auf einmal scheinen viele Merkwürdigkeiten einen Sinn zu ergeben, der mindestens so beängstigend ist wie die Bedrohung durch den Terrorismus. Auf einmal wird ihm klar, "wie weit die Terrorparanoia ging. Dass sie alle unter Verdacht standen".

"Schwarzblende" präsentiert diese Entwicklung in einem atemberaubenden Tempo. Die Erkenntnisse über eine möglicherweise allumfassende Verschwörung überschlagen sich ebenso wie die Ereignisse, die in einem Anschlag auf Nialls Leben gipfeln.
Es dauert ein wenig, bis der Roman nach seiner dramatischen Nacherzählung der Realität in Fahrt kommt. Dann überzeugt er durch Spannung, auch wenn Zoë Beck bisweilen etwas sehr dick aufträgt, was die Hintergründe der Handlung betrifft.


- Zoë Beck: Schwarzblende. Heyne Taschenbuch, München, 412 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-453-41043-5.