Berlin Mit einem Schock beginnt der Arbeitstag für den Athener Kommissar Kostas Charitos. Seine Tochter, eine Anwältin, die sich für illegale Einwanderer einsetzt, wird direkt vor dem Gericht überfallen und zusammengeschlagen.

Ihr ist nicht allzu viel passiert, aber der Vorfall wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand der Gesellschaft. Jeder kümmert sich nur um seine eigenen Angelegenheiten und versucht, irgendwie durch die allgegenwärtige Krise zu kommen.

Aber Charitos, Hauptfigur und Erzähler des Romans, hat nicht viel Zeit, sich mit dem Vorfall zu befassen. Ein deutsch-griechischer Unternehmer hat sich das Leben genommen. Eigentlich wäre das uninteressant für die Polizei, aber dann geht in der deutschen Botschaft die Nachricht ein, der Mann sei umgebracht worden. Unterzeichnet ist das Schreiben mit "Die Griechen der fünfziger Jahre".

Wer verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung und stellt eine solche Behauptung auf? Dann geschieht ein eindeutiger Mord. Der Inhaber einer Nachhilfeschule wird mit einer markanten alten Pistole erschossen. Und wieder kommt kurz danach ein Bekennerschreiben der "Griechen der fünfziger Jahre".

Weitere Morde geschehen, die nur durch die Bekennerschreiben miteinander verbunden scheinen. Lange Zeit verfolgen Charitos und seine Kollegen die unterschiedlichsten Spuren und Theorien, ohne wirklich Fortschritte zu machen. Klar scheint aber, dass die Taten einen politischen Hintergrund haben müssen. Denn die Bekennerschreiben enden stets mit der gleichen Forderung: "Kehrt um und geht zurück auf Start!"

Dabei hat Charitos auch ohne diese Fälle viele Probleme zu lösen. Wie alle anderen Familien im Land so ist auch seine von den Auswirkungen der Finanzkrise in ihrem alltäglichen Leben betroffen. So nimmt der Kommissar den Bus anstatt den Privatwagen, um Geld zu sparen, der Schwiegervater seiner Tochter muss seinen Laden aufgeben, weil er die Steuern dafür nicht mehr zahlen kann, und alle leiden unter der schlechten Stimmung im Land.

Markaris lässt die Polizisten engagiert ermitteln. Charitos ist kein Hektiker, aber ein gründlicher Denker, der sich an Details abarbeitet. Schritt für Schritt kommen die Ermittler der Lösung der Mordfälle näher. Ihre Arbeit ist nachvollziehbar, auch wenn der Fall äußerst kompliziert ist.

"Zurück auf Start" ist nicht nur ein Kriminalroman, sondern auch ein Porträt der griechischen Gesellschaft am Beispiel einer polizeilichen Ermittlung. Petros Markaris zeichnet die Figuren glaubhaft und sympathisch. Und er schafft es, den Fall so zu schildern, dass die Spannung trotz zahlreicher Nebenstränge erhalten bleibt.

- Petros Markaris: Zurück auf Start. Diogenes Verlag, Zürich, 349 Seiten, 23,90 Euro, ISBN 978-3-257-06925-9.