München - Ein ungewöhnlicher Mordfall steht am Beginn von Tess Gerritsens neuem Roman "Der Schneeleopard". Ein bekannter Jäger und Tierpräparator ist in seinem Haus in Boston ermordet und dann so drapiert worden, wie er es berufsmäßig mit den Tierkadavern getan hatte.

Gerritsens Ermittlerin Jane Rizzoli und ihre Mitarbeiterin, die Gerichtsmedizinerin Maura Isles, stehen vor einem kompletten Rätsel. Es dauert nicht lange, und schon suchen die beiden Ermittlerinnen nach einem Serienmörder.

Eine Frau, mit der der Jäger an seinem Todestag gesprochen hatte, wird tot aufgefunden. Und es gibt weitere Leichen, die ähnliche Spuren zeigen wie die des Jägers. Sicher sein können sich die Polizisten nicht, ob es tatsächlich Zusammenhänge zwischen den Todesfällen gibt, aber aus dieser Unsicherheit schafft die US-amerikanische Schriftstellerin (61) eine Dauerspannung, die sie in unterschiedlichen Variationen geschickt einsetzt.

Rizzoli und ihr Team gehen den unterschiedlichsten Spuren nach und sprechen mit merkwürdigen Personen, aber nichts ist wirklich greifbar. Fest steht auf jeden Fall, dass das Fell eines äußerst seltenen Schneeleoparden, das der Tote für einen umstrittenen Radiomoderatoren aufarbeiten sollte, verschwunden ist. Dies könnte der einzige greifbare Ansatzpunkt für die Ermittlerinnen sein. Aber auch hier können sie sich nicht sicher sein, denn, wie Rizzoli philosophiert, "wenn man nur tief genug im Leben eines Menschen grub, förderte man immer Überraschungen zutage".

Mit dieser Geschichte verwoben ist eine ganz andere Handlung. Eine kleine Gruppe von Touristen strandet in der Wildnis von Botsuana. Eine fassungslose Reisende berichtet, wie ein Gruppenmitglied nach dem anderen erst verschwindet und dann tot aufgefunden wird. Schon bald beginnen die Reisenden, einander zu verdächtigen, für die Tode verantwortlich zu sein. Erst nach geraumer Zeit wird deutlich, wie die beiden Handlungsstränge zusammenhängen. Das erlaubt den Lesern Rückschlüsse zu ziehen, die den Ermittlerinnen erst einmal verborgen bleiben. Erst eine Dienstreise nach Südafrika bringt die Polizistin aus Boston entscheidende Schritte voran.

Gerritsen schafft es, auf fast jeder Seite des Romans ein Gefühl der Gefahr zu erzeugen. Dabei sind es nicht nur die Menschen, die für Verunsicherung sorgen. In der Wildnis Afrikas lauern Raubtiere, im Zoo stirbt eine Wärterin durch einen Leoparden, und selbst die Katze, die Maura Isles vom ersten Tatort mit nach Hause nimmt, erscheint auf einmal nicht als freundlicher Mitbewohner, sondern als potenzielle Gefahr für Leib und Leben.

Natürlich findet die Mordserie ihre etwas überraschende Aufklärung, zu der die Kriminalistin Jane Rizzoli und die Gerichtsmedizinerin Maura Isles die entscheidenden Beiträge liefern. Alles andere wäre in einem solchen Roman so gut wie undenkbar. Aber die vielen Schritte auf dem Weg zur erwarteten Auflösung ist eine spannende Tour durch eine seltsame Welt von Jägern und Trophäensammlern.

- Tess Gerritsen: Der Schneeleopard. Limes Verlag, München, 415 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-8090-2637-2.