Berlin - 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Konrad Theiss Verlag eine Neuauflage von Cornelius Ryans "Der letzte Kampf" herausgegeben.

Der amerikanische Journalist und Kriegsberichterstatter beschreibt die letzten Monate des Krieges und die Schlacht um Berlin aus unterschiedlichen Perspektiven, sei es aus Sicht der Berliner Bürger selbst, sei es aus Sicht der Armeeführer aller Seiten.

Auch wenn professionelle Historiker über historische Publizisten gern die Nase rümpfen, kann das Buch zumindest insofern einen wissenschaftlichen Anspruch erheben, als Ryan in den 1950er und 1960er Jahren eine erhebliche Zahl von Zeitzeugenberichten zusammentrug, die heute wichtige Dokumente sind.

Ryan, Jahrgang 1920, hat eine gute Schreibe und erzählt spannend. Das hat er auch mit seinen Büchern "Die Brücke von Arnheim" oder "Der längste Tag" gezeigt. Störend mag man empfinden, dass der amerikanische Journalist zur überzogen positiven Darstellung der US-Armee und ihrer "ganzen Kerle" in der Führung neigt.

Noch befremdlicher aber mag erscheinen, dass auch die deutsche Wehrmachtsgeneralität nicht schlecht weg kommt. Das könnte auch daran liegen, dass es die Wehrmacht bis in die 1980er und 1990er Jahre hinein verstanden hatte, sich als "sauber" kämpfende Armee darzustellen, die mit den Verbrechen der Hitler-Truppe nichts zu tun hatte. Die deutsche Erstausgabe ist 1966 erschienen. In Zeiten des Kalten Krieges kommt dagegen die Rote Armee und ihre Führer beim amerikanischen Journalisten erwartungsgemäß gar nicht gut weg.

- Cornelius Ryan: Der letzte Kampf. Berlin 1945. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt, 480 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-8062-3026-0.