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Lübeck - "Mir hat Frankreich ein Leben lang Gutes gegeben" - dieser Satz Heinrich Manns (1871-1950) empfängt derzeit die Besucher des Lübecker Buddenbrookhauses. Dort ist bis November eine Ausstellung mit dem Titel "Traumland und Zuflucht. Heinrich Mann und Frankreich" zu sehen.
Sie will zeigen, wie das Frankreichbild Heinrich Manns aussah, wie es seine Arbeit beeinflusst hat und welche Vision der Schriftsteller schon in den 1920er Jahren hatte - nämlich die von einer deutsch-französischen Aussöhnung.
Die Lübecker Ausstellung sei die bundesweit erste, die sich mit Heinrich Manns Frankreichbezug beschäftigt, sagte der Leiter des Buddenbrookhauses, Holger Pils. "Der Traum von Frankreich war der Motor für den Literaten und ist wie kaum ein Thema geeignet, einen neuen Zugang zu seinem Werk zu eröffnen."
Die Ausstellung ist in acht Stationen unterteilt und zeigt anhand seiner Biografie, dass Frankreich ein Lieblingsthema Heinrich Manns war. Der ältere Bruder Thomas Manns, 1871 in Lübeck geboren, entdeckte seine Liebe zur französischen Literatur lange bevor er das Land kannte. Erst im Alter von 37 Jahren begann er, regelmäßig seine Winterferien in Nizza zu verbringen. "Sein Frankreichbild war durch die Literatur geprägt", sagte der Heinrich-Mann-Biograf und Kurator der Ausstellung, Manfred Flügge. Für den Schriftsteller sei die Republik Frankreich mit ihrer Tradition von Freiheit und Gleichheit der Gegenentwurf zum wilhelminischen Deutschland gewesen.
1904 begann Heinrich, sich öffentlich für Frankreich zu engagieren - in einer Zeit, als Frankreich nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 vielen Deutschen als "Erbfeind" galt. In den folgenden Jahren unternahm er immer häufiger ausgedehnte Reisen nach Frankreich. Als er 1933 Deutschland verlassen musste, ging es nach Nizza ins Exil, sein Traumland wurde zur Zuflucht. Auch sein bedeutendstes literarisches Werk, der zweibändige Roman "Henri Quatre" ist geprägt vom französischem Geist und französischer Lebenslust. "In seinen 1946 erschienenen Memoiren ("Ein Zeitalter wird besichtigt") beschreibt Mann noch einmal hymnisch das "bewunderte große Land"", sagte Flügge.
"Heinrich Mann war ein Träumer und Idealist, aber auch ein Visionär der deutsch-französischen Freundschaft, als daran eigentlich gar nicht zu denken war", sagte Flügge. Mann hatte schon in den 1920er Jahren die Idee einer Währungsunion, nach Ende des Zweiten Weltkrieges propagierte er ein Bündnis der Sowjetunion mit Frankreich, unter dessen Führung Europa vereint und Deutschland umerzogen werden sollte, wie aus Briefen Manns hervorgeht. Seine schwärmerischen Äußerungen über die Sowjetunion beruhten allein auf Erzählungen und Vorstellungen, selbst dort gewesen sei er nie, sagte der Biograf. "Heinrich Mann war in dieser Hinsicht naiv wie ein Kind: Er glaubte alles, was man ihm erzählte", sagte Flügge.
Die zweisprachige Ausstellung ist als deutscher Beitrag zum Deutsch-Französischen Jahr 2013 gedacht, mit dem der 50. Jahrestag des Élysée-Vertrages gefeiert wird. Von Februar 2014 an wird sie in Paris und anderen Städten Frankreichs zu sehen sein.
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