Berlin - Klangvolle Namen der Szene versprechen große Krimi-Lust. Wie jedes Jahr gibt es die Qual der Wahl. Möglich ist aber auch ein Rückzug ins eigene Ländle.

Ein Blick in die Verlagsprogramme verheißt für 2014 Kriminallektüre im Überfluss. Doch die Masse macht\'s bekanntlich nicht. Und so ist auch Loriots Bonmot "Beim Krimiautor ist das Böse in guten Händen" nur bedingt richtig. Hier eine kleine Orientierungshilfe durch das kaum überschaubare Angebot, das nicht nur ein Wiedersehen mit alten Bekannten, sondern auch Neuheiten des Genres parat hält.

Mit "Hab und Gier" konfrontiert Ingrid Noll, die Meisterin des schwarzen Humors, ihr Publikum. In der skurrilen Geschichte macht ein Witwer seiner Ex-Kollegin ein ungewöhnliches Angebot: Pflegt sie ihn bis zum Tod, erbt sie sein halbes Vermögen; bringt sie ihn auf seinen Wunsch hin um, sein ganzes.

Der herausgebende Diogenes Verlag hat für das Frühjahr noch einige weitere heiße Eisen im Feuer: Unter anderem legt er im März Martin Suters "Allmen und die verschwundene Maria" auf und spinnt darin die Story um den Lebemann und sein Faktotum Carlos weiter. Ein anderer alter Bekannter aus dem Zürcher Verlagshaus hat sich für April angekündigt: Sein sechster Fall führt den Chef de police Bruno in die Résistance-Vergangenheit. Autor Martin Walker hat die Handlung des Romans "Reiner Wein" natürlich wieder ins Périgord verlegt. Nettes Detail am Rande: Bruno wird ein wenig von "l\'amour" überrumpelt. Der Mai ist wieder Brunetti-Zeit. In seinem 22. Fall lässt Donna Leon ihren Commissario "Das goldene Ei" suchen. Es sei - so der Verlag - Brunettis privatester Fall.

Ullstein hat mit dem Roman "Die Frau, die nie fror" von Elisabeth Elo eine Geschichte um die geheimnisvolle Pirio Kasparov aufgelegt. Sie ist ab Februar im Handel. Wenig später folgt "Das dunkle Haus" von Åke Edwardson. Mit "Vier Mäuse und ein Todesfall" erscheint Anfang März der 20. Katzenkrimi von Rita Mae Brown. "Die Madonna von Notre-Dame" von Alexis Ragougneau kommt im Mai heraus. Wie der Titel schon verrät, ist die Pariser Kathedrale unter anderem Schauplatz des Geschehens, wo ein von Rheuma geplagter Pater detektivischen Spürsinn beweist. Im Juni bringt der Berliner Verlag dann noch den mit dem Shamus-Award ausgezeichneten Kriminalroman "Die Stadt der toten Mädchen" heraus, dessen Autor Alaric Hunt wegen Mordes lebenslang im Gefängnis sitzt.

Dem Blanvalet Verlag ist im letzten Jahr der große Wurf mit Robert Galbraiths (J.K. Rowling) "Der Ruf des Kuckucks" gelungen. In diesem Jahr sollen es "Provenzalische Verwicklungen" richten. Der Krimi von Sophie Bonnet lädt ab März ein zur Cuisine criminelle oder zum Mord à la Provence, was zu Deutsch heißt, dass nicht nur ein coq (au Vin) im Rotwein ertränkt wurde. Einen Monat früher wird im selben Verlag "Blut von meinem Blut" fließen. Autor Berry Lyga wagt sich damit erstmals auf kriminelles Terrain. Zeitgleich lässt die Amerikanerin Rosemary Harris wissen: "Gegen Mord ist kein Kraut gewachsen". In dem Roman buddelt Gärtnerin Paula bei ihren Nachbarn zu tief und somit einige Geheimnisse aus. Fans des Psychokrimis lädt der Verlag nach Skandinavien ein: "Das siebte Kind" des Dänen Erik Valeur erhielt bereits mehrere Preise. Im April erscheint Lee Childs "Wespennest". Der gebürtige Brite führt damit seine hochgelobte Jack-Reacher-Story "61 Stunden" weiter.

"Schwarze Tränen" heißt ein Thriller des Franzosen Jerome Delafosse, der im April bei Limes herauskommt und in Irland spielt. Aus dem selben Haus wird im Juni ein neuer Fall für Detektive Lindsay Boxer erwartet. Mit "Die 11. Stunde" setzt James Patterson seine Serie um den "Women\'s Murder Club" fort. Mystery und Horror in einem verspricht der Verlag Penhaligon mit "Die Unheilige" von Michael Scott und Colette Freedman. Für den im Juni in Deutschland erscheinenden Thriller hat sich bereits "Herr-der-Ringe"-Produzent Mark Ordesky die Filmrechte gesichert. Droemer kündigt für Februar ein "Kindertotenlied" an. Der vielfach preisgekrönte Franzose Bernard Minier schrieb damit eine "Overtüre zum Abgrund", wie der Verlag kommentiert.

Der Heyne Verlag wartet Anfang März mit einem neuen Grisham auf. Wie gehabt, befasst sich der Bestsellerautor und studierte Jurist in "Die Erbin" nicht nur mit dem Bösen, sondern auch mit der rechtlichen Seite. Nichts für schwache Nerven wird vermutlich Simon Becketts neuer Thriller "Der Hof" sein, den der Wunderlich Verlag in Reinbek bereits auf den Markt geworfen hat. Für Freunde des knallharten Krimis: Karl Kane ist zurück. Schon im März wird er in "Die kalte Kralle" einen seltsamen Fall aufklären. Es ist der dritte Band der Reihe von Autor Sam Millar im Atrium Verlag Zürich. Bereits im Januar ist aus dem gleichen Haus ein neuer Krimi der Dänin Anna Grue erschienen: In "Der Judaskuss" schickt sie ihren Kommissar Flemming Torp zum zweiten Mal in die Ermittlerspur.

Ebenso wie die Skandinavien-Romane des Genres erfreuen sich auch regionale Krimis wachsender Beliebtheit. Der Trend zu mundartlich verbrämten Sünden und Verbrechen scheint ungebrochen. Natürlich gibt\'s hier reichlich Schmarrn, aber auch Uriges mit Niveau, wobei nicht hinter jedem einschlägigen Titel gleich das Schlimmste vermutet werden sollte. Andreas Karosser verspricht mit seinem "Dirndl Porno" den ersten erotischen Heimatkrimi. Er wird im Juni bei emons (Köln) erscheinen. Der Verlag hat sich auf Heimatkrimis spezialisiert und auch in diesem Jahr ein gewaltiges Angebot von Hinterm-Deich-, Alpen-, Harz-Krimis usw.

Ein Buch sollte Fans unbedingt noch ans Herz gelegt werden, das kein Krimi ist, sich aber mit einer der bedeutendsten Autorinnen dieses Genres befasst und im Mai bei Diogenes erscheint: Joan Schenkers "Die talentierte Miss Highsmith". Darin beleuchtet die amerikanische Autorin Leben und Wirken jener Grand Dame des subtilen Schreckens und Schöpferin der legendären Figur des Tom Ripley ("Der talentierte Mr. Ripley"). Patrica Highsmiths (1921-1995) Werke, die ebenfalls bei Diogenes zu finden sind, machen den Unterschied: mehr Hirn als Blut, viel Psychologie und Philosophie, womit sie Schopenhauers Gedanken bestätigt: "Kriminalgeschichten muss man lesen, um zu erkennen, was - in moralischer Hinsicht - der Mensch eigentlich ist."