Nairobi - Die Kamera schweift noch einmal über die grünen Kaffeeplantagen am Fuße der Ngong-Berge. Karen Blixen hat alles verloren: Farm, Geld, ihren Geliebten. Sie nimmt Abschied von Kenia, wo sie so glückliche Jahre verbracht hat - und kaum ein Kinobesucher kann die Tränen zurückhalten.

"Wenn ich ein Lied weiß von Afrika, von der Giraffe und dem afrikanischen Neumond, der auf dem Rücken schwebt, von dem Pflug in den Feldern und den schwitzenden Gesichtern der Kaffeepflücker - weiß wohl Afrika ein Lied von mir?", fragt die Baronin traurig.

Das war im Jahr 1931, nach 17 Jahren Afrika. Sie kehrte nie wieder dorthin zurück, aber die Erinnerungen an ihre bewegte Zeit auf dem Kontinent legte Karen Blixen (1885-1962) als erfolgreiche Schriftstellerin nieder. "Out of Africa" (Jenseits von Afrika) heißt ihr wohl berühmtestes Werk, das 1985 von Sydney Pollack auf die Leinwand gebracht wurde.

Der Film mit Meryl Streep, Robert Redford und Klaus Maria Brandauer in den Hauptrollen wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet. Unvergessen ist vor allem die grandiose Musik von John Barry, der die Weiten des Kontinents mit großem Streichorchester untermalt.

Als 28-Jährige kommt Karen Christentze Dinesen im Jahr 1914 in Ostafrika an. Sie träumt von Freiheit und Abenteuern, weit weg von der familiären Enge in ihrer dänischen Heimat. Zusammen mit Baron Bror von Blixen-Finecke, den sie in Mombasa heiratet, will sie in Kenia eine Kaffeefarm aufbauen. "Die Gegend lag eigentlich etwas zu hoch für Kaffee, man musste sich mühselig durchschlagen", schreibt sie später in ihren Erinnerungen.

Mühselig ist die Plantage vor allem deshalb, weil sich der Großwildjäger Bror Blixen schnell als Schürzenjäger entpuppt: Er steckt Karen mit Syphilis an, die Ehe geht auseinander - und sie muss die Farm alleine bewirtschaften. "Später, als ich Gelegenheit hatte, zu fliegen und meine Farm aus der Vogelschau kennenlernte, war ich sehr stolz auf meine Kaffeeplantage, die hellgrün in der graugrünen Landschaft dalag", schreibt sie.

Geflogen ist sie mit dem Abenteurer Denys Finch Hatton, der großen Liebe ihres Lebens. Der gutaussehende, geistreiche Brite war bereits 1911 zum ersten Mal nach Afrika gekommen und hatte dort seine Leidenschaft für Safaris und wilde Tiere entdeckt.

Auch er war passionierter Großwildjäger, kehrte aber immer wieder in Karen Blixens Haus zurück, wenn er keine Aufträge hatte. "Denys Finch Hatton hatte in Afrika kein Heim außer der Farm; auf ihr lebte er zwischen seinen Safaris, hier hatte er seine Bücher und sein Grammophon", schreibt Blixen. Letzteres war ein Geschenk von Denys für Karen, und Beethoven und Mozart hielten Einzug: "Es wurde mir zu einer Wohltat des Herzens, es brachte neues Leben auf die Farm, es wurde die Stimme der Farm."

Als Finch Hatton 1931 mit seinem Flugzeug über dem Gebiet von Tsavo im Süden des Landes abstürzt, bricht für seine Geliebte eine Welt zusammen. "Denys beim Fliegen getötet, am 14., Beerdigung in den Ngong Hills heute", schreibt sie am 15. Mai 1931 in einem Telegramm an ihren Bruder Thomas. Wenig später reist sie aus Kenia ab.

Bleibt die Frage: Weiß Afrika 100 Jahre nach der Ankunft Karen Blixens noch von ihr? Zumindest in Kenia ist die Antwort unübersehbar. Der ganze Stadtteil, in dem die Farm lag, wurde später in "Karen" umbenannt. Auch an vielen anderen Orten finden sich Spuren der Dänin, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.

Das ist bei vielen Europäern, die in der Kolonialzeit nach Afrika kamen, anders. Karen Blixen hatte vielen Kenianern auf ihrer Farm Arbeit gegeben, zu einigen - darunter ihr somalischer Diener Farah und ihr Kikuyu-Koch Kamante - hatte sie eine tiefe Bindung.

Das Mbogani-Haus in einem Vorort von Nairobi, in das Blixen 1917 gezogen war und in dem die Außenaufnahmen von "Jenseits von Afrika" gedreht wurden, ist heute ein Museum. Allein der Ausblick auf die im Buch verewigten Ngong-Berge und ein Streifzug durch den tropischen Garten sind schon Grund genug für einen Besuch.

Im Inneren finden sich neben Originalmöbeln und -gegenständen auch Requisiten der Filmproduktion, darunter das berühmte Grammophon, die Kuckucksuhr und Kleidungsstücke, die Streep und Redford bei den Dreharbeiten getragen haben.

"Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong-Berge..." So beginnen Karen Blixens Memoiren. Ein Jahrhundert ist seit ihrem ersten Blick auf die Hügelkette vergangen, aber der Satz regt immer noch zum Träumen an, von Savannen, wilden Landschaften, Löwen und Elefanten - und natürlich vom afrikanischen Neumond, der hier - unterhalb des Äquators - tatsächlich auf dem Rücken schwebt.

Farm am Fuße der Ngong-Berge - Karen Blixe...

Nairobi - Die Kamera schweift noch einmal über die grünen Kaffeeplantagen am Fuße der Ngong-Berge. Karen Blixen hat alles verloren: Farm, Geld, ihren Geliebten. Sie nimmt Abschied von Kenia, wo sie so glückliche Jahre verbracht hat - und kaum ein Kinobesucher kann die Tränen zurückhalten.