Frankfurt (Oder) - Das einzige bekannte originale Porträt des Dichters Heinrich von Kleist rückt für kurze Zeit in seiner Geburtsstadt ins Licht der Öffentlichkeit.

Die 1801 gemalte Miniatur, die aus konservatorischen Aspekten nur sehr selten gezeigt wird, ist zehn Tage lang im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) zu sehen - vom Freitag (21.11.) bis zum 30. November. "Es gehört zu den Heiligtümern der Kleist-Forschung", sagte eine Museumssprecherin über das Porträt.

Das Miniaturbildnis ließ Kleist (1777-1811) für seine damalige Verlobte Wilhelmine von Zenge anfertigen. Aus Briefen sei bekannt, dass er sich damals porträtieren ließ, erläuterte die Sprecherin. "Er schreibt, dass er Modell gesessen hat. Das Bildnis ist authentisch." Wahrscheinlich habe es Peter Friedel gemalt, doch hundertprozentig erwiesen sei das nicht.

Das etwa fünf Zentimeter hohe Bild - Öl auf Elfenbein - wird in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt. In der Geburtsstadt des Dichters war es zuletzt im Jahr 2000 zu sehen. Das Porträt ist nun das Highlight der Sonderausstellung "Die drei Dinge Heinrich von Kleists", die zur Internationalen Jahrestagung der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft organisiert wurde. Bei den beiden anderen Exponaten handelt es sich um eine Doppelseite aus dem Manuskript des Lustspiels "Der zerbrochne Krug" und einen Brief von Kleist an seine Vertraute Adolphine von Werdeck.

Auf der Jahrestagung befassen sich rund 50 Germanisten mit den Dingen ins Kleists Werken. Zum Begleitprogramm der Tagung gehört auch eine Kranzniederlegung am Wannsee in Berlin, wo sich Kleist erschossen hatte. Zu einer Lesung mit Gespräch ist der Kleist-Preisträger 2014, Marcel Beyer, am Freitag in der Oderstadt zu Gast. Der Preis wird ihm am 23. November im Berliner Ensemble überreicht.