München Dieser schmale Debütroman hat bereits alles, was Irène Némirovsky ausmacht: Eine elegante Sprache, psychologisches Feingefühl sowie die Fähigkeit, skizzenhaft die Stimmung einer Epoche einzufangen. "Das Missverständnis" entstand 1926, wurde aber erst jetzt ins Deutsche übertragen.

Im Mittelpunkt steht die Geschichte einer Liebe vor dem Hintergrund der melancholischen Nachkriegs-Atmosphäre. Yves ist aus dem großen Krieg zurückgekehrt, doch nur körperlich unversehrt. Die Ereignisse auf dem Schlachtfeld haben ihre Spuren hinterlassen. Außerdem ist er verarmt, so dass er einem ermüdenden Bürojob nachgehen muss. Da trifft er während eines Seeurlaubs die verwöhnte, verheiratete Denise. Die heitere Romanze verliert jedoch im grauen Pariser Alltag schnell ihren Charme. Yves und Denise gehören nicht nur verschiedenen gesellschaftlichen Welten an, sie haben auch unterschiedliche Vorstellungen von der Liebe. Es ist ein einziges Missverständnis. Ein präzises Porträt einer aus den Fugen geratenen Beziehung und Gesellschaft.

Irène Némirovsky: Das Missverständnis. Knaus Verlag, München,176 Seiten, 17,99 Euro, ISBN 978-3-8135-0467-5