Reinbek - Es gab zahlreiche Momente im Leben des Raúl Aguayo-Krauthausen, in denen ihm auf bittere Weise klar gemacht wurde, dass er anders ist als gesunde Menschen.

Zum Beispiel, als man den Jungen mit den Glasknochen sinnloserweise an einem Sportwettkampf teilnehmen ließ und er den Schlagball nur drei Meter weit warf. Oder als er auf den "Kuschelparties" seiner Klassenkameraden nur eine Randexistenz fristete, da die Mädchen ihn mieden. Als sich dann doch einmal eine in ihn verliebte, sorgte das ungleiche Paar für solches Aufsehen, dass die Beziehung dem gewaltigen Druck von außen nicht standhielt.

All diese Dinge beschreibt Aguayo-Krauthausen (33) in seiner Autobiografie "Dachdecker wollte ich eh nicht werden" sehr anschaulich, aber ohne Verbitterung. Es dauerte lange, bis der ehemalige Radioprogramm-Manager und Gründer des Vereins "Sozialhelden" seine Behinderung annahm.

Das Buch ist eine manchmal nachdenkliche, meist aber unterhaltsame Lektüre zum Thema Behinderung und unserem Umgang damit.

(Raúl Aguayo-Krauthausen: Dachdecker wollte ich eh nicht werden. Das leben aus der Rollstuhlperspektive. Rowohlt verlag, Reinbek, 256 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-499-62281-6)