Wien - Elisabeth de Waal, die Großmutter des Schriftstellers Edmund de Waal ("Der Hase mit den Bernsteinaugen"), war eine Wanderin zwischen den Welten.

Die jüdische Baronesse lebte Jahre im Exil. Doch ihre Liebe zur Wiener Heimat verließ sie nie. So steht Wien auch im Mittelpunkt ihres Romans, der zu ihren Lebzeiten keinen Verleger fand. Erst ihr Enkel hat ihn jetzt unter dem Titel "Donnerstags bei Kanakis" herausgebracht.

Es geht um Heimat, Exil und Rückkehr. Das typische jüdische Emigrantenschicksal verkörpert Dr. Adler. Der Arzt verlässt nach dem Krieg die USA, um in Wien wieder Fuß zu fassen. Dort stößt er auf eine Mauer von Gleichgültigkeit oder kaum verhohlener Feindseligkeit. Der Rückkehrer Theophil Kanakis kann sich dagegen vor allem durch seinen immensen Reichtum Respekt verschaffen. Die unbedarfte junge Amerikanerin Resi, Abkömmling österreichischer Adliger, verheddert sich in den Fallstricken der Wiener Gesellschaft. De Wall zeigt ein gebrochenes Nachkriegs-Wien zwischen Nostalgie, Verdrängung und Neuanfang.

- Elisabeth de Waal: Donnerstags bei Kanakis, Paul Zsolnay Verlag, Wien, 336 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-552-05672-5.