Berlin - "Indien ist nicht einfach ein Schwellenland, es hat die Schwelle überschritten." Mit diesen Worten wird US-Präsident Barack Obama bei seinem Besuch in Indien 2010 zitiert.

Für die Autoren Georg Blume und Christoph Hein ist das blanker Hohn. Für sie prägen Gewalt gegen Frauen, Korruption, Umweltkatastrophen und bittere Armut das Bild des Landes, das in diesen Wochen ein neues Parlament wählt. "Die größte Demokratie der Welt" ist für Blume und Hein ein menschenverachtendes Herrschaftssystem, geführt von einer Elite, die vom Westen hofiert wird, von Politikern, Unternehmern, Entwicklungshelfern und Journalisten gleichermaßen. Neben politischen Analysen, etwa über den möglichen Wahlsieger Narendra Modi, stehen eindringliche Porträts wie das der jungen Rekha Sharma, die nur knapp der Ermordung durch ihren Ehemann entging. "Wie viele Brautmörder führen heute in Indien ein unbehelligtes Dasein? Es müssen Millionen sein", schreiben die Autoren in ihrem Buch "Indiens verdrängte Wahlheit. Streitschrift gegen ein unmenschliches System".

Georg Blume, Christoph Hein: Indiens verdrängte Wahlheit. Streitschrift gegen ein unmenschliches System. Edition Körber-Stiftung, Hamburg, 199 S., 17,00 Euro, ISBN 978-3-89684-154-4