Berlin - Die Benjamins gehören zu den großen deutschen Familien. Mindestens zwei Persönlichkeiten erlangten Berühmtheit: Der Philosoph Walter Benjamin (1892-1940) und seine Schwägerin Hilde Benjamin (1902-1989), die erste Justizministerin der DDR.

Die als "rote Guillotine" in die Geschichte eingegangene umstrittene Juristin war auch Ausgangspunkt für Uwe-Karsten Heyes Recherche für seine Familienbiografie, die fast ein Jahrhundert umspannt. Erstmals stand dem Journalisten dabei auch das persönliche Archiv der Benjamins zur Verfügung. Die Privatbriefe Hilde Benjamins zeigen sie von einer unbekannten Seite, vor allem was ihre liebevolle Beziehung zu Sohn Michael angeht. Ihn musste sie nach dem Tod ihres Mannes im KZ alleine durchbringen. Auch Walter Benjamin starb als Verfolgter der Nazis. Diese privaten Tragödien erklären zum Teil Hilde Benjamins spätere Unerbittlichkeit. Dem Buch fehlt es aber leider an Distanz. In dem Bemühen, die Zerrbilder der Adenauer-Zeit über die "blutige Hilde" zu korrigieren, schießt Heye übers Ziel hinaus.

Uwe-Karsten Heye: Die Benjamins. Eine deutsche Familie, Aufbau Verlag, Berlin, 361 Seiten, 22,99 Euro, ISBN 978-3-351-03562-4