München - "Küsse lassen sich nicht schreiben", soll Bismarck einmal gesagt haben. Der Autor Dieter Hildebrandt beweist in seiner Kulturgeschichte des Liebesbriefs das genaue Gegenteil. Bei ihm ist der Liebesbrief ein Medium der Leidenschaft, das mühelos Zeit und Raum überbrückt.

In seinem Buch spannt er den Bogen von den Minnesängern des Mittelalters bis in die Moderne. Wir erfahren von den ebenso handfesten wie zärtlichen Liebesbriefen Luthers an seine Frau Käthe, von Schillers doppeltem Liebeswerben um zwei Schwestern und Bismarcks später Leidenschaft zu der jungen Fürstin von Orloff, die er pikanterweise in Liebesbriefen an seine Frau enthüllte.

Als "Gespenst unter der Liebespost aller Zeiten" bezeichnet der Autor Beethovens "Brief an die unsterbliche Geliebte", dessen Adressatin bis heute unbekannt ist. Der Band endet im frühen 20. Jahrhundert, wobei man sich schon fragt, ob es danach keine spannenden Liebesbriefe mehr gab. Vielleicht hätte es ja auch Beispiele zärtlicher Korrespondenz aus den Zeiten des Internets gegeben.

- Dieter Hildebrandt: Die Kunst, Küsse zu schreiben. Eine Geschichte des Liebesbriefs, Hanser Verlag, München, 416 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-446-24496-2.