München - Mit "Notizen aus der Provinz" könnte man Jean-Luc Seigles Roman "Der Gedanke an das Glück und an das Ende" überschreiben. Doch dieser Titel wäre allzu langweilig angesichts dieses zauberhaften kleinen Buchs, das das ländliche Frankreich der 60er Jahre wie mit einem Schlaglicht beleuchtet.

An einem Sommertag des Jahres 1961 hält bei der Familie Chassaing die Moderne Einzug: Der erste Fernseher kommt ins Haus. Während die in alles Neumodische vernarrte Suzanne freudig erregt ist, wird ihr bäuerlicher Ehemann Albert von düsteren Gespenstern der Vergangenheit gequält. Gleichzeitig bricht der begabte Sohn Gilles in neue Welten auf: Er entdeckt die Geheimnisse der Literatur und findet einen verständnisvollen Freund, der ihn begleitet.

Vor dem Hintergrund des Algerienkriegs skizziert der Roman nicht nur eine Gesellschaft im Umbruch. Mit feinen Strichen und beeindruckendem psychologischem Einfühlungsvermögen zeichnet er auch das Porträt einer Familie am Scheideweg.

- Jean-Luc Seigle: Der Gedanke an das Glück und an das Ende, C.H. Beck Verlag, München, 224 Seiten, 18,95 Euro, ISBN 978-3-406-66755-8.