Wien - Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander im Zug. Cécile ist eine elegante 47-jährige Unternehmerin. Nach einem erschöpfenden Wochenende bei ihren Eltern in Troyes will sie zurück zu ihrer Familie nach Paris.

Philippe, Verkäufer in einem Elektrogeschäft, ist auf dem Weg zu seinem schwerkranken Freund Mathieu. Die beiden Zugreisenden merken schnell, dass sie sich kennen. Vor 27 Jahren hatten sie eine kurze Affäre miteinander, die unangenehm endete und ihr Leben auf unterschiedliche Weise beeinflusste. Peinigende Erinnerungen werden wieder wach.

Jean-Philippe Blondels Roman "6 Uhr 41" ist ein Kammerspiel aus sich abwechselnden Monologen, die keineswegs ermüden, sondern eine eigene Spannung und Dynamik entfalten. Noch einmal durchleben die Protagonisten ihre scheinbar vergessene Affäre, die sich als entscheidender Wendepunkt entpuppte: Für Lucile ging es fortan steil nach oben, Philippe versagte. Ein kleiner, feiner Roman über schicksalhafte Momente und Zufälligkeiten unseres Lebens.

- Jean-Philippe Blondel: 6 Uhr 41, Deuticke Verlag, Wien, 192 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-552-06255-9.