Berlin - "Es überrascht mich nicht, dass wir Sympathie füreinander empfinden. Seit ich das erste Mal Verse von Ihnen gelesen habe, weiß ich, dass wir in mancherlei Hinsicht gleich fühlen. Und Sie sind ein Europäer. Ich bin es auch aus vollem Herzen", schrieb der französische Schriftsteller Romain Rolland 1910 an seinen österreichischen Kollegen Stefan Zweig.

Es war der Auftakt einer einzigartigen Freundschaft, die sich gerade dann bewährte, als sie sich durch den Krieg plötzlich in zwei feindliche Lager gestellt sahen. Den Briefwechsel beider Schriftsteller in den Jahren des Ersten Weltkriegs dokumentiert jetzt der Band "Von Welt zu Welt. Briefe einer Freundschaft". Die Korrespondenz zeigt, dass Stefan Zweig erst im Laufe der Kriegsjahre und in der Auseinandersetzung mit dem fünfzehn Jahre älteren Rolland zum Pazifismus fand. Inmitten des Schlachtengetümmels zeugen die Briefe von beeindruckender Klarsicht, Toleranz und Menschlichkeit, aber auch von Pessimismus, was die zukünftige friedliche Entwicklung Europas angeht.

Romain Rolland, Stefan Zweig: Von Welt zu Welt. Briefe einer Freundschaft, Aufbau Verlag, Berlin, 480 Seiten, 24,95 Euro, ISBN 978-3-351-03413-9