München - Der promovierte Philosoph Reinhard lässt sich treiben. Er arbeitet als Barkeeper, Hotelrezeptionistund Redakteur eines Anzeigenblatts. Vor allem aber ist er "Überwinder": Er hilft "Menschen, ihre zuweilen aufdringlichen oder dümmlichen Erlebnisse schneller als gewohnt zu vergessen".

Dabei hätte Reinhard selbst Hilfe dringend nötig. Denn eines Tages teilt ihm seine langjährige Freundin Sonja mit, dass sie heiraten will, allerdings nicht ihn, sondern einen Kollegen vom Finanzamt. Hat sie genug von Reinhards Neurosen, seinen elegischen Tagträumereien und seiner Mutterfixiertheit? Doch wie sich zeigt, verschwindet mit Reinhard auch jede Poetik aus ihrem Leben.

Der Ich-Erzähler aus Wilhelm Genazinos neuem Buch "Bei Regen im Saal" ist wieder einer seiner typischen Antihelden, wie er schon in vielen anderen Büchern vorkommt. Schrullig, verträumt und auf liebenswerte Weise altmodisch und gegen den Strich gebürstet, stolpert er durch eine ihm fremde Welt. Der Autor folgt seinem Geschöpf dabei mit Sympathie und Nachsicht.

- Wilhelm Genazino: Bei Regen im Saal. Carl Hanser Verlag, München, 160 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 978-3-446-24596-9