Frankfurt/Main - Der Held ist ein alternder Musikprofessor und Komponist. Klingt langweilig - doch ohne es zu wollen, schlüpft Peter Els in eine weitere, aufregende Rolle: die eines von den US-Behörden gejagten Mannes.

Er wird verdächtigt, ein Bio-Terrorist zu sein. Seine Flucht vor den Ermittlern ist ein Strang des Romans "Orfeo" von Richard Powers. Ein zweiter Aspekt sind die Rückblenden in Els\' Beziehungen und sein Familienleben. Zusätzlich wird der Leser auf Exkurse mitgenommen in die Geschichte der klassischen Musik.

Mit diesen Elementen und einem kritischen Blick auf eine Terrorismus-Paranoia in den USA webt Powers, der die Grenzgebiete von Literatur und Wissenschaft liebt, seine spannende Story. Manche Passagen, gerade wenn es um Musik geht, sind nur für Kenner in der vollen Tiefe zu erschließen. Doch auch weniger bewanderte Leser werden vom Rhythmus dieses fast 500 Seiten dicken Werks in den Bann gezogen.

"Musik sagt die Vergangenheit voraus, erinnert an die Zukunft", heißt es an einer Stelle. Mit solchen Formulierungen will Powers etwas zum Klingen bringen - sprachlich und im Gefühl seiner Leser.

- Richard Powers: Orfeo. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 492 Seiten, 22,99 Euro, ISBN 978-3100590251.