München - Über Jahrzehnte war sie die mächtigste Frau Chinas: Cixi (1835-1908), die Kaiserinwitwe, war eine Ausnahmeerscheinung, die von der Geschichtswissenschaft nicht gerade freundlich behandelt wurde.

Vor allem westliche Historiker beschrieben die ehemalige Konkubine, die erst anstelle ihres Sohnes, dann ihres Neffen herrschte, als machtlüstern, intrigant und politisch unfähig. Die aus China stammende und heute in England lebende Wissenschaftlerin Jung Chang revidiert in ihrer Biografie dieses einseitige Bild. Zwar erkennt sie an, dass Cixi politische Fehlentscheidungen unterliefen und sie auch grausam sein konnte.

Doch weitaus größer seien ihre Verdienste gewesen. Die Kaiserinwitwe führte China aus "Hinfälligkeit, Armut, Unzivilisiertheit und Absolutismus" in die Moderne. Vor allem erlaubte sie eine bis dahin ungekannte politische Partizipation und Pressefreiheit. Die einfühlsam geschriebene Biografie zeichnet sich durch eine gründliche Quellenauswertung in chinesischen und britischen Archiven aus.

- Jung Chang: Kaiserinwitwe Cixi. Die Konkubine, die Chinas Weg in die Moderne ebnete, Blessing Verlag, München, 576 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 978-3-89667-418-0.