Reinbek - Nach der katastrophalen Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad braucht Propagandaminister Goebbels 1943 dringend ein Ablenkungsmanöver.

Als im Wald von Katyn ein Massengrab mit polnischen Offizieren gefunden wird, beauftragt er Bernie Gunther von der Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts mit der Untersuchung des Verbrechens. Zielvorgabe ist es, die Rote Armee als Schuldigen zu entlarven, um den Krieg im Osten rechtfertigen zu können.

Philip Kerrs neuer Roman "Wolfshunger" mit dem Ex-Polizisten Bernie Gunther hinterlässt beim Leser ein zwiespältiges Gefühl. Nicht unspannend, aber teilweise nachlässig recherchiert und mit einer doch sehr schnoddrigen Sprache der Hauptfigur, die einfach nicht in die Zeit zu passen scheint. Hinzu kommt die unglaubwürdige Position Gunthers als moralischer Saubermann inmitten der NS-Größen. Unverhohlen kann er seine antifaschistische Gesinnung äußern, ohne dass sich jemand daran stört. Ein historischer Roman, dem es an Glaubwürdigkeit mangelt.

- Philip Kerr: Wolfshunger, Rowohlt Verlag, Reinbek, 544 Seiten, 22,95 Euro, ISBN 978-3-8052-5066-5.