München - Es ist die Lage in der Mitte Europas, die Deutschland seit jeher eine Sonderrolle verliehen hat und sein Schicksal bis heute bestimmt. Aus seiner zentralen Position heraus versuchte Deutschland immer mal wieder, den Kontinent zu dominieren.

In anderen Epochen dagegen wurde es zum Spielball der Völker. Während des Dreißigjährigen Krieges etwa stellte sich die Lage im Herzen Europas "für Deutschland beinahe als Todesurteil" heraus, konstatiert der irische Historiker Brendan Simms in seinem Buch "Kampf um Vorherrschaft".

"Eine deutsche Geschichte Europas" hat Brendan sein schwergewichtiges Werk im Untertitel genannt, in dem er die Historie des Kontinents von 1453 bis heute nachzeichnet. Das Schicksal des Kontinents, so lautet zugespitzt seine These, hängt von Deutschland ab. Seine Schlussfolgerungen für die Zukunft dürften jedoch nicht allen gefallen. Denn Brendan fordert, die Macht nach Brüssel zu verlagern und aus der EU einen Bundesstaat zu machen, um das seiner Ansicht nach wieder übermächtige Deutschland einzudämmen.

Brendan Simms: Kampf um Vorherrschaft. Eine Geschichte Europas 1453 bis heute, Deutsche Verlags-Anstalt, München, 896 Seiten, 34, 99 Euro, ISBN 978-3-421-04397-9.