Frankfurt am Main - Die Stahlöfen sind seit langem erkaltet, die letzte Mine schloss vor Jahren. Das Stahl- und Kohlezeitalter gehört in Lothringen definitiv der Vergangenheit an.

In ihrem Roman "Das Ende der Arbeiterklasse" lässt Aurélie Filippetti das Zeitalter anhand ihrer eigenen Familiengeschichte wiederauferstehen. Filippetti, bis August 2014 französische Kulturministerin, ist italienischer Abstammung. Ihr Großvater ging wie viele seiner Landsleute nach Lothringen. Als Deportierter der Nazis starb der Bergmann im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Vater Angelo war kommunistischer Gewerkschafter und Bürgermeister.

Filippetti erzählt die Familiengeschichte in Rückblenden mit starken Bildern und einer pathetischen Sprache. Es gelingt ihr, Geist und Seele dieser untergegangen Welt einzufangen: die Würde, den Stolz und Kampfgeist der Bergarbeiter und Stahlkocher. Filippetti verfasste den Roman bereits 2003, doch erst jetzt wurde er ins Deutsche übertragen.

- Aurélie Filippetti: Das Ende der Arbeiterklasse, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 192 Seiten, 18,99 Euro, ISBN 978-3-10-002213-4.