Berlin - "Auf den Straßen spielen kleine rotbackige Kinder, trampeln singend und krakeelend mit ihren Holzpantinen über das Pflaster. Über ihnen in der Luft das unaufhörliche Dröhnen von Flugzeugen."

So beschreibt Melvin J. Lasky das Deutschland des Jahres 1945 in einer typischen Szene seines Tagebuchs. Der Oberleutnant begleitete im letzten Kriegsjahr die US-Army, um Material für eine Geschichte der Invasion zu sammeln. Er traf resignierte, versehrte Menschen, die des Kämpfens längst überdrüssig waren, wanderte durch zerstörte Städte und sprach mit Kindern, die die Soldaten mit großer Neugier und Freude empfingen.

Sein Buch, jetzt unter dem Titel "Und alles war still" auf Deutsch erschienen, ist einfühlsam und nachdenklich, dabei aber auch recht kritisch. Lasky ist sowohl fähig, Empathie gegenüber den Besiegten zu empfinden als auch Unverständnis über manchen Willkürakt der amerikanischen Besatzer. Lasky wurde nach dem Krieg ein bedeutender Publizist. In den 80er Jahren kehrte er nach Berlin zurück und starb dort 2004.

- Melvin J. Lasky: Und alles war still. Deutsches Tagebuch 1945, Rowohlt Verlag, Berlin, 496 Seiten, 24,95 Euro, ISBN 978-3-87134-708-5