Stuttgart - Wird man als Mörder schon geboren oder von der Gesellschaft erst dazu gemacht? Lange Zeit tendierte die Wissenschaft ganz überwiegend zur zweiten These. Vor allem in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lehnten Kriminologen es vehement ab, Verbrechen auf biologische Ursachen zurückzuführen.

Wer biologisch argumentierte, geriet schnell in den Verdacht eines rassistischen Eugenikers. Erst die Genforschung hat hier eine Wende gebracht. So hielt der amerikanische Kriminologe und Psychologe Adrian Raine seine brisanten Untersuchungen lange unter Verschluss. Erst jetzt erscheinen sie unter dem Titel "Als Mörder geboren". So provozierend wie der Titel ist auch das Buch. Denn Raine spürt den genetischen Grundlagen des Verbrechens nach. Ob bestimmte Auffälligkeiten im Gehirn oder eine frühe Fehlernährung, der Autor sieht viele biologische Ursachen, die aus einem Menschen einen Verbrecher machen können. Allerdings ist er nicht so naiv, Umwelteinflüsse völlig auszuschließen. Ein spannendes, oft aber auch verstörendes Buch.

Adrian Raine: Als Mörder geboren. Die biologischen Wurzeln von Gewalt und Verbrechen, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 517 Seiten, 28,95 Euro, ISBN 978-3-608-94673-4