München - Mit dem letzten Band "Zeit der Gegenwart" hat der Historiker Heinrich August Winkler seine monumentale vierbändige "Geschichte des Westens" jetzt abgeschlossen. Das knapp 700 Seiten starke Werk umfasst die Zeit von 1991 bis heute.

Es beginnt mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa, führt über die Erweiterung der EU und NATO und den "Krieg gegen den Terror" zur Weltfinanzkrise. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Kampf gegen den IS und dem Ukraine-Krieg.

Der Historiker unterstreicht, was den Westen im Innersten zusammenhält, nämlich die freiheitlichen Ideen der Revolutionen von 1776 und 1789. Er zeigt aber auch, wie viel Europa und die USA trennt, etwa ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Rolle des Staates oder der Religion.

Auch liegen Anspruch und Realität bisweilen weit auseinander. So lassen sich Guantánamo und Abu Ghraib kaum mit den Menschenrechten vereinbaren. Bei den jüngsten teilweise dramatischen Entwicklungen erkennt der Autor den fehlenden zeitlichen Abstand für eine angemessene Bewertung.

- Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Gegenwart, C.H. Beck Verlag, München, 687 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-406-66986-6.