München - John Williams Roman "Stoner" über einen Literaturprofessor war 2013 die Wiederentdeckung des Jahres. Nun folgt "Butcher\'s Crossing".

Auch dieser Roman erschien bereits 1960. Einerseits ist es ein richtiger Western mit handfesten Kerlen und einer ungezähmten Natur wie in alten Filmen. Andererseits erzählt Williams (1922-1994) die Geschichte einer jugendlichen Sinnsuche.

Inspiriert von einem romantischen Naturideal verlässt Will Andrews 1870 Boston und seine Studien, um in den Westen zu ziehen. In dem Außenposten Butcher\'s Crossing gewinnt er drei Männer für ein Abenteuer. Angeblich gibt es in den Rocky Mountains noch riesige Herden von Büffeln, mit deren Fell sich viel Geld verdienen lässt. Sowohl für die alten Haudegen wie für das Greenhorn wird der Ritt zur existenziellen Grenzerfahrung.

Ob in den grandiosen Landschaftsbeschreibungen, dem Überlebenskampf der Männer oder ihren seelischen Abgründen - Williams findet Bilder von archaischer Wucht. Zudem wirft er ein grelles Licht auf die fragwürdige Anmaßung des Menschen über die Natur.

- John Williams: Butcher\'s Crossing, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 368 Seiten, 21,90 Euro, ISBN 978-3-423-28049-5.