München - Über 800 000 deutsche Frauen sollen nach Schätzungen der Historikerin Miriam Gebhardt in den letzten Kriegsmonaten und den ersten Nachkriegsjahren von Besatzungssoldaten vergewaltigt worden sein.

In ihrem Buch "Als die Soldaten kamen" räumt sie mit vielen Vorurteilen und einseitigen Darstellungen auf, die bis heute die Geschichtsschreibung beherrschen, nach dem Motto "Die Russen haben vergewaltigt, die Amerikaner haben Bonbons verschenkt". Vielmehr hätten Besatzungssoldaten aller Nationen vergewaltigt, wenn auch in unterschiedlicher Intensität.

Gebhardts Quellen sind zeitgenössische Berichte von Pfarrern, Ärzten, Militärrichtern oder Polizisten. Manches fand sie in Tagebucharchiven oder Entschädigungsanträgen von Vergewaltigungsopfern. Verstörende Bilder etwa von amerikanischen Soldaten, die im ländlichen Oberbayern immer wieder über Frauen herfielen, wurden später auch aus politischen Gründen gern verdrängt. Insofern leistet dieses Buch auch Pionierarbeit.

- Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs, Deutsche Verlags-Anstalt, 352 Seiten, 21,99 Euro, ISBN 978-3-421-04633-8.