Hamburg - Carmel ist ein kluges, nachdenkliches Mädchen im Grundschulalter. Ihr Mutter Beth lebt nach der Trennung von ihrem Mann alleine mit der Tochter. Bei einem gemeinsamen Ausflug der beiden verschwindet Carmel spurlos.

Sie wird entführt von einem seltsamen älteren Mann, der sich als der Großvater der Kleinen ausgibt, den das Mädchen bisher nicht kannte. So beginnt die mit ungewöhnlichen Perspektivwechseln erzählte Geschichte "Das Mädchen, das rückwärts ging". Die Britin Kate Hamer erzählt ihren Familien-Thriller abwechselnd aus der Sicht der Mutter und der Tochter. Während Beth von der Polizei betreut wird und verzweifelt hofft, ihre Kind möge gefunden werden, muss sich Carmel mit ihrem Kidnapper arrangieren. Das "Ich" des Romans beschreibt das Hoffen und Bangen in der Sprache der Mutter. Und wechselt im nächsten Kapitel in die Perspektive der Achtjährigen, die die Welt nicht mehr versteht. Aus dieser Spannung der unterschiedlichen Blicke auf die gleiche Situation und der Beschreibung des Entführungsfalls, der sich über Jahre hinzieht, gewinnt der Roman seine eindrucksvolle Dynamik. Nichts für schwache Nerven, eher etwas für lange Nächte.

Kate Hamer: Das Mädchen, das rückwärts ging. Arche Literatur Verlag, Zürich-Hamburg, 416 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-7160-2724-0