München - Der 16-jährige Benny liegt nach einem mysteriösen Unfall im Koma. Die Tragödie bringt mit einem Schlag wieder alle Familienmitglieder zusammen, die seit Jahren zerstritten sind oder sich eigentlich schon immer fremd waren.

Bennys Eltern haben sich vor langer Zeit getrennt und gehen sich selbst noch am Krankenbett auf die Nerven. Der Großvater und autoritäre Patriarch Ferdinand versucht auch in der Krise die Kontrolle über das Unternehmen Familie zu behalten. Bennys Onkel Thomas hegt gegenüber Ferdinand ganz offen einen schlimmen Verdacht. Alte Konflikte und Animositäten brechen stärker denn je wieder hervor.

Bernd Schroeder wirft in "Wir sind doch alle da" einen ebenso bösen wie ironischen Blick auf die Familie, die er als Hort der unerfüllten Sehnsüchte, der Gemeinheiten und Eifersüchteleien entlarvt. Nach und nach lässt er wie im Theater die einzelnen Familienmitglieder die Bühne betreten, wo sie tiefe Einsichten in die Abgründe ihres Innenlebens gewähren. Immerhin: Für einige wird die Tragödie zum Auslöser, ihr Leben neu zu wagen.

- Bernd Schroeder: Wir sind doch alle da, Hanser Verlag, München, 176 Seiten, 18,90 Euro, ISBN 978-3-446-23267-9.