München - Eine Frau schreibt einen Brief an ihren Geliebten, der sie verlassen hat. Doch der Liebesbrief kommt niemals bei ihm an. Stattdessen liest ihn ein fremder Mann, den das intime Schreiben eigentlich gar nichts angeht.

Dennoch ist der falsche Adressat vom ersten Moment an von den ebenso melancholischen wie leidenschaftlichen Worten der Frau fasziniert. Er liest auch die folgenden Briefe, ja beginnt schon ungeduldig auf deren Ankunft zu warten. Mehr und mehr gerät er in den Sog eines fremden Lebens und vergisst darüber sein eigenes, das sich gerade in einer Krise befindet.

Die Grundidee von Carola Saavedras Roman "Blaue Blumen" ist faszinierend: Das Leben zweier wildfremder Menschen durch eine fehlgeleitete Korrespondenz miteinander zu verweben. In der Ausführung ist das Ganze dann allerdings nicht mehr ganz so spannend. Die Passagen über das Leben des Fremden sind weit interessanter als die Liebesbriefe selbst, in denen letztlich immer wieder die gleichen Gefühle und Szenen heraufbeschworen und widergekäut werden. Das ist auf die Dauer ermüdend.

- Carola Saavedra: Blaue Blumen, C.H. Beck Verlag, München, 223 Seiten, 18,95 Euro, ISBN 978-3-406-67567-6.