Berlin - Auf neuen Smartphones finden sich häufig zahlreiche vorinstallierte Apps der Telefonhersteller. Entfernen lassen sich diese Bloatware genannten Geschenke nicht. Auch wenn es häufig bessere Alternativen gibt. Etwas Abhilfe gibt es aber schon.

Wer sein neues Smartphone zum ersten Mal einschaltet, staunt oft nicht schlecht: Schon ab Werk sind zahlreiche Apps vom Hersteller vorinstalliert. So genannte Bloatware nervt viele Kunden. Denn diese Apps verstopfen einen Teil des versprochenen Speicherplatzes - sie zu entfernen, ist nicht leicht.

Dabei müssen diese Apps nicht zwangsläufig lästig sein, sagt Hannes Czerulla vom Fachmagazin "c"t". "Viele der Apps erfüllen einen sinnvollen Zweck - es gibt beispielsweise Videoplayer, News-Clients oder Fitness-Apps." Das Problem liegt woanders. Meistens gibt es im App-Store Programme, die diese Aufgaben auch erfüllen - manchmal sogar besser. "Die Apps der Hardware-Hersteller sind oft mit Funktionen überfrachtet und verbinden sich ungewollt mit Online-Diensten", sagt Czerulla. "Einige laufen ständig im Hintergrund."

Der Nutzer lässt die vorinstallierten Apps meist links liegen. In einer
Untersuchung vom März 2014 fanden die US-Konsumforscher Strategy Analytics heraus, dass Besitzer von Samsungs Galaxy S3 und S4 im Monat nur sieben Minuten mit den mitgelieferten Apps verbringen. Google-Apps nutzten sie im Schnitt für 149 Minuten. Samsungs Messenger ChatOn wurde im Schnitt nur sechs Sekunden lang benutzt. Keine Konkurrenz also zu Platzhirschen wie Whatsapp. Das hindert Samsung und Co. aber nicht daran, weiterhin ihre Bloatware mitzuliefern. Die Hersteller versprechen sich davon Kundenbindung, Nutzerdaten und Umsatz durch den Verkauf digitaler Produkte.


Gennadij Puschkaschow vom Institut für Internet-Sicherheit hält Bloatware für ein Risiko: "Apps können durch eine fehlerhafte Entwicklung eine Sicherheitslücke darstellen. So sind gezielte Angriffe auf eine App möglich, um durch diese an die Informationen des Anwenders zu kommen." Solche Angriffe lohnen sich für Hacker nur, wenn die App auf möglichst vielen Geräten vorhanden ist - daher sind vorinstallierte Apps gute Ziele. Viel tun kann der Nutzer dagegen nicht, außer regelmäßig Updates zu installieren.

Die Bloatware zu deinstallieren, ist so einfach nicht möglich. Oft befindet sie sich in einem Bereich des Telefonspeichers, auf den der Nutzer keinen Zugriff hat. "Solche Apps komplett aus dem System zu entfernen, ist kompliziert, erfordert Erfahrung und hat den Verlust der Garantie zur Folge", erklärt Hannes Czerulla. Dazu müsse man das Gerät rooten, sich also zum Administrator machen. "Das funktioniert bei jedem Gerät und jeder Softwareversion auf einem anderen Weg." Für Android-Bastler und Profis gibt es einen radikaleren Weg. Etwa das alternative Betriebssystem CyanogenMod, das auf dem offenen Android-Code basiert. Mit ihm hat der Nutzer mehr Rechte. Die Installation ist allerdings mit Risiken verbunden und nicht ganz einfach.

Der gefahrlose Weg ist, die Apps zu deaktivieren und eventuelle Updates zu deinstallieren. Dazu muss bei Android in den Einstellungen beim Punkt "Apps" die entsprechende App angetippt werden. Auf dem folgenden Screen kann die App deaktiviert oder vielleicht sogar gelöscht werden. Benachrichtigungen lassen sich hier ebenso deaktivieren. Nutzer aktueller Apple-Geräte haben nur die Möglichkeit, ungenutzte Apps in einem Ordner zu verstecken, daneben lässt sich etwa der Tipps-App verbieten, Benachrichtigungen zu verschicken. Dazu einfach bei den Einstellungen den Punkt "Mitteilungen" suchen, dort Tipps antippen und die Benachrichtigungen deaktivieren. Problemlos entfernen lassen sich hingegen die Apps von Drittanbietern und Werbepartnern - etwa Lieferdienste, Hotelfinder oder andere Angebote.

Wer sich ein Android-Smartphone kauft, kann schon durch die Wahl des Herstellers beeinflussen, wie viel Bloatware er bekommt. Laut Hannes Czerulla gibt es kaum einen Unterschied zwischen den großen Marken. Samsung, Sony, LG oder Huawei - sie alle liefern eigene Apps mit. HTC und Motorola liefern weniger, Google auf seinen Nexus-Geräten gar nichts. Apple-Nutzer finden vergleichsweise wenig Bloatware vor - etwa das Game Center oder die Tipps-App. Und wer sich für Windows-Phone entscheidet, lebt ebenfalls ballastfrei.

Das Fazit des Experten lautet: Wer wenig Bloatware möchte, kauft Apple, Windows Phone oder Google-Telefone. Andere müssen entweder den komplizierten Weg des Rootens gehen oder die ungeliebten Apps einfach deaktivieren.