Der Regisseur und das Musical

Der gebürtige Magdeburger Erik Petersen begann seine Karriere am Theater Magdeburg als Kleindarsteller und Statist. Seinen Abschluss machte er an der Stadtbibliothek als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienst. Seit 2010 Arbeiten für verschiedene Theater und die Bad Hersfelder Festspiele. Für die Oper Dortmund inszenierte er die Rossini-Oper „La Cenerentola“, für das Staatstheater Oldenburg das Musical „Evita“. Seine erste eigenständige Regie-Arbeit in Magdeburg war das Gershwin-Musicals „Crazy for You“ in der vergangenen Spielzeit.

Das Rockmusical „Hair“ mit Musik von Galt MacDermot wurde 1967 uraufgeführt. Es spielt in der Welt der amerikanischen Hipiies Ende der 1960er Jahre.

Premiere für das Domplatz-Open-Air des Theaters Magdeburg ist am 17. Juni. Gespielt wird bis zum 10. Juli.

Herr Petersen, mancher in Ihrem Team kennt Sie noch als Junge, als Sie Statist am Theater waren. Jetzt sind Sie mit 29 Jahren der Chef der großen Open-Air-Produktion. Ist das ein komisches Gefühl?

Erik Petersen: Viele kennen mich von klein auf, wie Peter Wittig, der schon so viele Jahre am Haus arbeitet. Es war schon eine merkwürdige Situation, als ich zum Beispiel bei „Les Misérables“ Ko-Regisseur von Gil Mehmert war. Nach „Crazy for You“, meiner ersten eigenen Inszenierung am Haus, gab es viele positive Reaktionen.

War das Theater für „Hair“ auf Sie zugekommen?

Ja. Das Haus wollte gern noch einmal mit mir arbeiten. Das hat mich sehr gefreut. Und das gibt mir auch Rückhalt.

Finden Sie das mutig von Karen Stone?

Es ist ein Wagnis, ja. Das Vertrauen ist aber auf allen Seiten vorhanden. Und mein Alter ist gar nicht so entscheidend. Wer weiß, wie ich „Hair“ in 20 Jahren inszenieren würde.

Wie inszenieren Sie es jetzt?

Unsere Produktion ist unbewusst aktuell. Es geht um Hippies, die vor fast 50 Jahren für ihre Ideale gekämpft haben und für Dinge einstanden, die heute wieder Thema sind: Menschenrechte, Gleichstellung, Toleranz.

Rassismus spielte damals eine Rolle.

Auch das ist ein großes Thema bei „Hair“. Wir bleiben zwar in den Endsechzigern, aber geben schon den Fingerzeig ins Heute. Als Wahl-Hamburger kann ich sagen, dass das Image Sachsen-Anhalts durch die Landtagswahl leider sehr gelitten hat. Klar ist das Schubladendenken, aber man bekommt es sehr schwer raus aus den Köpfen. Das ist unglaublich schade, weil Magdeburg eine sympathische Stadt ist, die sich toll entwickelt hat. Als Magdeburger ein Stück für Toleranz und Gleichberechtigung zu machen, das ist schön, das tut gut – auch dem Theater, das für Vielfalt steht.

Welche Herausforderung ist das Domplatz-Open-Air für Sie?

Open Air ist immer etwas Besonderes. Im Gegensatz zum Theater muss man hier mit der dreifachen Größe einer Bühne arbeiten. Das ist eine ganz andere Dimension. Das Stück spielt normalerweise eher in einem intimen Rahmen. Wir aber haben 50 Leute auf der Bühne mit Chor und Ballett. Es gibt Autos, Pyrotechnik und einen Kran, mit dem wir besondere Momente schaffen werden. In „Crazy for You“ hatten wir schon viele Kostüme, jetzt haben wir noch mehr.

Sind Hippies nicht bescheiden in ihren Blumenkleidern?

Das denkt man automatisch, aber bei uns gibt es unglaublich viele Kostüme. Dieses Domplatz-Open-Air ist ein Highlight für das Theater und für die Besucher. Da wollen wir natürlich nicht nur künstlerisch, sondern auch optisch was bieten.

Ist „Hair“ ein Wunschstück von Ihnen?

Ganz ehrlich: Ich hatte erst Probleme damit. Ich habe nicht in der Zeit gelebt, in der es spielt, und habe mich erst mit ihr auseinandersetzen müssen. Ich habe viel darüber gelesen und dann gesehen, dass es unsere heutige Zeit trifft mit all den Problemen, den Konflikten.

Das hört sich ernst an.

Es ist natürlich große Unterhaltung. Es wird viele lustige und spannende Momente geben, aber eben auch dramatische, zum Beispiel, wenn Claude in den Vietnamkrieg zieht. Da gibt es bei den Hippies eine große Verzweiflung.

Sie lassen Ihre Inszenierung in New York spielen. Warum New York?

Das Bühnenbild deutet die Baustelle eines Hochhauses in New York an. Das World Trade Center wurde von 1966 bis 1972 gebaut, in der Zeit der Hippies. Heute stehen die Twin Towers nicht mehr. Der 11. September hat mich unglaublich berührt und ist für mich einschneidend gewesen. Für die Inszenierung habe ich einen Ort gesucht, der die beiden Zeiten verbindet.

Wird man im Bühnenbild New York erkennen?

Nein. Wir haben uns für eine Baustelle entschieden, auf der gespielt wird.

Waren Sie schon einmal in New York?

Ich war noch niemals in New York. (Erik Petersen kommt fast ins Singen)

Was wird das Besondere der Magdeburg-Inszenierung?

Mit dem musikalischen Leiter Damian Omansen bringen wir eine große Orchesterfassung von „Hair“ auf die Bühne. Normalerweise gibt es nur Bandversionen. In Magdeburg spielen wir mit Rockband und der Magdeburgischen Philharmonie. 27 Musiker. Darüber hinaus haben wir einen bunten und vielfältigen Cast. Ganz besonders großen Spaß macht auch die Zusammenarbeit mit Kati Farkas, weil sie eine hervorragende Choreografin ist. Das wird eine einmalige Show.