Los Angeles (dpa) l Sie ist blond, zynisch, abgebrüht und hinterlistig. Ganz das Gegenteil von der gewöhnlich netten, brünetten Sandra Bullock. Als „Die Wahlkämpferin“ zeigt Amerikas Sweetheart eine wunderbar taffe Seite, die zudem vom Zeitpunkt her perfekt passt. Die Politsatire mit Bullock als gerissene Wahl-Strategin ist die Kino-Alternative zu dem derzeitigen Wahlkampf-Theater um Trump & Co. in den USA.

„Die Wahlkämpferin“ spielt allerdings vor einer anderen Kulisse. Im Auftrag einer US-Beraterfirma soll Jane Bodine (Bullock) einem Präsidentschaftskandidaten in Bolivien zur Seite steht. Dessen Sympathiewerte sind im Keller, die Spitzenberaterin soll zeigen, was sie kann.

In Südamerika trifft Bodine auf ihren Erzfeind Pat Candy, der den Wahlkampf für die bolivianische Opposition aufmischt. Billy Bob Thornton ist mit stechendem Blick, blitzender Glatze und hinterhältigen Methoden der perfekte Gegenspieler für die coole Blondine.

Sie übertrumpfen sich gegenseitig mit Schmutzkampagnen, dabei sind ihnen alle Mittel recht. Lauter Applaus im Lager von Bodine, als ihr Zögling Castillo (Joaquim De Almeida) bei einem TV-Interview überzeugend weint. Sofort steigen die Umfragewerte ihres Kandidaten. Dass der zukünftige Präsident ein berechnender Lügner ist, macht der Strategin nichts aus. Auch als das Lama Marco bei Videoaufnahmen auf die Straße vor ein Auto rennt, kommt nur ein zynischer Kommentar: „Der hat sich lieber umgebracht, als bei unserer Werbung mitzumachen.“

Eigentlich war die Rolle für einen Mann geschrieben und von George Clooney anvisiert. Der hatte sich bereits 2007 mit seiner Produktionsfirma Smoke House die Rechte an der Polit-Dokumentation „Our Brand Is Crisis“ von Rachel Boynton gesichert. Die Doku dreht sich um den konservativen Präsidentschaftskandidaten Gonzalo Sanchez de Lozada, der 2002 Washingtoner Strategen nach Bolivien holte.

„Gravity“-Star Bullock war auf der Suche nach gutem Komödien-Material, Clooney gab die Rolle ab. Er und sein langjähriger Freund Grant Heslov blieben aber als Produzententeam für „Die Wahlkämpferin“ an Bord. Zusammen brachten sie schon Politthriller wie „Argo“ und „The Ides of March – Tage des Verrats“ ins Kino. Regie führte hier nun David Gordon Green („Ananas Express“) nach einem Drehbuch von Peter Straughan („Männer, die auf Ziegen starren“, „Dame, König, As, Spion“).

Eigentlich ein vielversprechendes Team mit einer guten Geschichte. Doch leider hält Green seinen bissig-zynischen und damit unterhaltsamen Ton nicht konsequent durch. Am Ende rührt sich Bodines Gewissen, die harte Strategin wird weich, die Satire verflacht.

Als blonde Jane Bodine musste Oscar-Preisträgerin Bullock („The Blind Side – Die große Chance“) einen der schlechtesten US-Kinostarts ihrer Laufbahn einstecken. Dabei hat ihre freche, gekonnte Darbietung mehr Aufmerksamkeit verdient. Den Flop an den US-Kinokassen im vergangenen Herbst hat das amerikanische Publikum seiner Sandy aber schon verziehen: Anfang Januar bei der Vergabe der „People‘s Choice Awards“, einem Publikumspreis, bei dem Fans abstimmen, wurde Bullock wieder zur beliebtesten Schauspielerin gekürt.

Die Politsatire "Die Wahlkämpferin" startet am Donnerstag, dem 21. Januar, in den deutschen Kinos.