Berlin - Schnee, nichts als Schnee. Für seinen frostigen Thriller "The Captive" hat sich der kanadische Regisseur Atom Egoyan eine eisige Gegend ausgesucht, um eine alptraumhafte Geschichte voller Trauer und Verzweiflung zu erzählen.

"Ich bin an Menschen interessiert, die mit einem Trauma leben", sagt der Kanadier. Und solch eine Geschichte erzählt er in dem Film "The Captive" (jetzt auf DVD und Blu-ray), der in der Nähe der Niagara Fälle gedreht wurde.

Einen Moment hat Matthew (Ryan Reynolds) nicht aufgepasst, hat ein bisschen Kuchen eingekauft und seine kleine Tochter - wie schon so oft - allein in seinem Pickup gelassen. Als Matthew (Ryan Reynolds) zurückkommt, ist Cassandra verschwunden. Das Schlimmste, was Eltern passieren kann.

Ihn habe der Fall eines Jungen in seiner Nachbarschaft erschüttert und zu diesem Film inspiriert, erzählte Egoyan beim Filmfestival in Cannes, wo im letzten Jahr "The Captive" gezeigt wurde. Der sei in einem Park verschwunden, als dessen Mutter nur kurz nicht hingeschaut habe.

Ein Bösewicht wird ziemlich schnell präsentiert. Ein freundlich tuender Widerling, der in seinem Keller ein Mädchen gefangen hält, das dort offenbar schon seit Jahren lebt. Ist es möglicherweise Cassandra oder ist es nur eine von vielen?

Und die Eltern? Die Ehe zwischen Matthew und Tina (Mireille Enos) ist an der Trauer und den Schuldzuweisungen zerbrochen. Aber die Hoffnung haben sie nicht aufgegeben. Seit acht Jahren trifft sich Tina regelmäßig mit der Polizistin Nicole (Rosario Dawson) - Trauer und Hoffnung halten sich die Waage. Schon bald mehren sich die Zeichen, dass Cassandra noch leben könnte.

Durch Zeitsprünge hat Atom Egoyan "The Captive" wie ein Puzzlespiel aufgebaut und lauter Fährten ausgelegt, die unaufhaltsam auf das dramatische Finale zulaufen. Dabei verzichtete der kanadische Regisseur auf vordergründige Action, um sich mehr auf die inneren Befindlichkeiten und das Zwischenmenschliche seiner Protagonisten zu konzentrieren.