Der vierfache Oscar-Preisträger Clint Eastwood (" Million Dollar Baby ") wagt den Sprung in die Zwischenwelt. 80 Jahre alt ist der Schauspieler und Filmemacher inzwischen. Da ist es offenbar an der Zeit, sich über den Tod und das Jenseits Gedanken zu machen. Das übersinnliche Drama "Hereafter – Das Leben danach" konfrontiert drei Menschen auf unterschiedliche Weise mit der Sterblichkeit.

Im Dezember 2004 ist Marie ( Cécile de France ) nur mit äußerster Not dem Tsunami an der thailändischen Küste entkommen. Für wenige Augenblicke war die französische Journalistin klinisch tot. Etwa zur selben Zeit verlor Marcus ( Frankie und George McLaren ) durch einen tragischen Unfall seinen geliebten Zwillingsbruder. George ( Matt Damon ) hingegen ist ein Medium. Er kann mit Toten kommunizieren. Marie, Marcus und George kennen sich nicht und doch führt sie das Schicksal unvermeidlich zusammen.

" Hereafter " entpuppt sich dabei als ein Film der leisen Zwischentöne. Es geht um Sorgen, Nöte und Zukunftsängste. Laut wird es nur ganz am Anfang, als der Tsunami die Leinwand mit bombastischer Wucht überflutet. Das sind beeindruckende Töne und Bilder. Die Naturgewalt der Monsterwelle fängt Eastwood mit zerstörerischer Kraft ein. Auch die Terroranschläge von London aus dem Jahr 2005 werden von ihm thematisiert und sorgen in der Mitte des Films noch einmal für einen ordentlichen Knalleffekt. Die Handlung spielt somit zwischen Weihnachten 2004 und Sommer 2005.

Erzählt wird allerdings eine ganz und gar zeitlose Geschichte, die sich mit den gepeinigten Seelen der Protagonisten befasst. Zunächst leben sie in San Francisco, London und Paris sehr weit voneinander entfernt. Erst der Zufall führt sie zusammen. Eastwood versteht es, diesen Zufall schlüssig in sein episodenhaftes Drama einzuweben, ohne dass es aufgesetzt erscheint.

Darüber hinaus ist " Hereafter " ein Film der starken Darsteller. Matt Damon (" Der Informant !"), Cécile de France (" Chanson d’amour ") sowie die Zwillingsbrüder Frankie und George McLaren verstehen es vortrefflich, den Zuschauer für ihr jeweiliges Schicksal einzunehmen.

Doch es gibt auch Schwachpunkte. Der Film nimmt seine metaphysische Ebene reichlich ernst. So steht vollkommen außer Frage, dass der von Damon gespielte George ein echtes Medium ist. Unbestritten ist ebenso die Existenz einer lichtdurchfluteten Parallelwelt zwischen Leben und Tod. Wer sich auf diese esoterisch angehauchten Elemente nicht einlassen mag, wird an " Hereafter " nur wenig Gefallen finden.

Alle anderen Zuschauer erleben ein intensives und exzellent erzähltes Drama über den individuellen Umgang mit dem Tod und der eigenen Sterblichkeit.

( dapd )