Die spektakuläre Show fiel aus, aber dafür gab es große Kunst und Leidenschaft: David Garrett gastierte in der bis auf den letzten Stuhl vollbesetzten Magdeburger Stadthalle am Freitagabend und wurde mit stehenden Ovationen verabschiedet.

Magdeburg l Dieser Abschied fiel allerdings etwas sehr professionell kurz aus. Lediglich eine einzige Zugabe ließ sich der charismatische, an diesem Abend aber auffällig zurückhaltende Virtuose entlocken: Paganinis Schelmenstück der Geigenliteratur, "Karneval in Venedig" oder Variationen von "Mein Hut, der hat drei Ecken".

Paganini scheint David Garrett ohnehin sehr zugeneigt zu sein, was unter anderem in einer atemberaubenden Interpretation der "La Campanella" aus seinem Violinkonzert h-Moll deutlich wurde. Das ist auch nicht verwunderlich, denn beide ähneln sich, zumindest was das geniale Spiel und die Freude am musikalischen Experiment angeht. Vom ersten zarten Saitenstrich an spürt man, dass hier jemand nicht nur auf einem Instrument spielt, sondern seine Geige ganz leicht und respektvoll zu einer Art "Eigenleben" erweckt. Er lässt sie lachen und weinen, zornig und energisch sein, ganz, wie in einem Zwiegespräch auf Augenhöhe.

Welten voller Traurigkeit, Leidenschaft und Freude

Es ist die ganz große Kunst des Virtuosen, dass die unzähligen mühevollen Stunden des Übens, die wunden Finger, das anstrengende Einarbeiten in die Eigenheiten der Musikstücke und des Instruments schlagartig vergessen sind, wenn der Bogen die ersten Saiten berührt. Was dann folgt, ist begeisternde, scheinbare Leichtigkeit, fast kindlich-spielerisches Vermögen, einem mit Saiten bespannten Holzkörper ganze Welten voller Leidenschaft, Traurigkeit und Freude zu entlocken. David Garrett hatte in den zwei Stunden seines Konzertes mit "Festival Strings Lucerne" aus Luzern in der Schweiz ein Sinfonieorchester der Sonderklasse mit 65 Musikern an seiner Seite. Mehr hätten auf der Bühne der Magdeburger Stadthalle wahrlich keinen Platz gehabt.

"Festival Strings Lucerne" ist ursprünglich ein Kammerorchester, das aber jederzeit auf die Stärke eines Sinfonieorchesters erweitert werden kann. Es gilt unter Geigenvirtuosen als absolute Spitzenklasse und begleitet auf der Deutschland-Schweiz-Tournee noch bis zum 29. April David Garrett auf insgesamt zehn Tourneestationen unter der Leitung von Adrian Prabava. Ihre besondere Klangkultur verdanken die "Strings" zum einen den Meisterinstrumenten aus den legendären Cremoneser Werkstätten Stradivari, Guarneri und Amati, die sich im Besitz des Ensembles befinden, zum anderen ihrer großen Aufführungstradition.

Gegenseitig zu hohen Leistungen beflügelt

Das war vermutlich das Geheimnis dieses außergewöhnlichen Konzerts, bei dem sich ein Star-Geigenvirtuose und ein Star-Orchester auf Augenhöhe begegneten und gegenseitig zu Höchstleistungen beflügelten. Darin eingebettet ist wohl auch die Zurückhaltung David Garretts in der Eigendarstellung und die Konzentration auf die künstlerische Ausdrucksleistung zu suchen.

Wenn das der inhaltliche Ansatz für dieses außergewöhnliche Konzerterlebnis war, dann ist er voll und ganz aufgegangen. Bruch, Brahms und Paganini, die im Mittelpunkt des Programms standen, hätten ihre wahre Freude gehabt, so wie die vielen Musikliebhaber an diesem Abend.