London (dpa) l Eine nie öffentlich gezeigte Dokumentation von Regisseur Alfred Hitchcock über den Holocaust soll nach Jahrzehnten in Archiven wieder zugänglich gemacht werden. Die Bearbeitung des Materials sei vermutlich Ende dieses Jahres oder 2015 fertig, dann könne der Film im britischen Fernsehen oder auf Festivals gezeigt werden, sagte eine Sprecherin des Imperial War Museums gestern in London.

Hitchcock war 1945 von einem Freund gefragt worden, ihm bei einer Dokumentation über Kriegsverbrechen der Deutschen zu helfen. Dabei verwendeten sie Material, das britische und sowjetische Truppen unter anderem bei der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen gefilmt hatten, wie die Zeitung "The Independent" berichtet. Demnach waren die grauenvollen Bilder selbst für den Meister des Horrors, Hitchcock, zu viel: Er sei tagelang nicht ins Studio gekommen, nachdem er sie zum ersten Mal gesehen habe.

Der Film sei letztendlich nie gezeigt worden, sagte Toby Haggith vom Imperial War Museum. Die Alliierten hätten ihre Taktik geändert und beschlossen, für den Wiederaufbau von Deutschland sei es nicht gut, die Menschen dort zu stark mit der Vergangenheit zu konfrontieren.