Magdeburg. Der Ausnahmekünstler Max Raabe, der gutbürgerlich Matthias Otto heißt, versteht es wie kaum ein anderer, durch ausgeprägtes Understatement - das deutsche Wort Untertreibung trifft es leider nicht genau - große Wirkung zu erzielen. So ist denn auch der Eröffnungstitel "Ich bin nur gut, wenn keiner guckt" die pure Untertreibung. Musik, Gesang, Text und die Person Max Raabes verschmelzen so miteinander, dass daraus ein Gesamtkunstwerk entsteht, das man nicht mehr in seine Bestandteile zerlegen kann. Der Künstler verkörpert den Stil der "Goldenen 20er und 30er Jahre" nicht nur als Markenzeichen. Er wirkt in dieser Rolle so authentisch, dass man sich ihn ohne Frack oder Smoking kaum vorstellen kann.

Mit dieser Noblesse führt er mit wenigen Gesten und stets leicht gelangweiltem Gesicht durch das außerordentlich abwechslungsreiche Programm, das aus bekannten alten Titeln aus den 1920er und 1930er Jahren besteht, aber sehr gekonnt neue Lieder integriert. Dabei entsteht kein Bruch, sondern wirkliche künstlerische Bereicherung.

Das ist unter anderem in der sehr produktiven Zusammenarbeit mit Annette Humpe begründet. Die Berliner Pop-Sängerin und Komponistin, die für große Namen wie Udo Lindenberg, die Prinzen oder Nena Lieder schrieb, hat mit "Für Frauen ist das kein Problem" bereits dem zweiten Album Max Raabes wertvolle Impulse gegeben. Die beiden agieren auf einer Wellenlänge, haben sich künstlerisch gesucht und gefunden.

So fügen sich nahtlos die altbekannten Titel, wie "Isabella von Kastilien" oder "Am Amazonas wohnen unsere Ahnen" mit Weill-Kompositionen wie "Mackie Messer" aus Brechts "Dreigroschenoper" sowie den "Kleinen Lügen" oder "Ich schlafe ohne Dich und zähle Schafe" ein. Letztere entstanden mit Annette Humpe.

Exaktes Zusammenspiel mit Improvisation

Max Raabe hat es verstanden, sich der Schlinge der Beliebigkeit durch die gängigen Kompositionen der Vergangenheit zu entziehen, indem er neue künstlerische Akzente gesetzt hat. 1986 gründete er mit Freunden das Palast Orchester, das Chansons und Lieder im Stil der 1920er und 1930er Jahre aufführte. Diesem exzellenten Klangkörper gebührt ein erheblicher Anteil an dem Gesamterfolg.

Jeder der Musiker verbindet unnachahmlich den Improvisationsschwung des Swings mit einer unglaublichen Exaktheit im Zusammenspiel, die Arrangements sind perfekt ausgefeilt. So wunderte es denn nicht, dass bei den Soloeinlagen des Orchesters der Beifall des Publikums ebenso tosend wie bei den Darbietungen des Maestros war, der übrigens das Schlagzeug ¿Schlagwerk\' und Jeans ¿Nietenhosen\' nennt. Max Raabe ist ebenso ein Meister der Worte. Die Pointen sitzen - wenn er sich beispielsweise gelassen darüber wundert, weshalb erwachsene Männer für Monate in eine Röhre kriechen, um sich auf einen Marsflug vorzubereiten, wo sie doch genauso gut mit der Deutschen Bahn fahren könnten.

Und dann kommt es doch, wie es kommen muss: Nachdem sich der Künstler in seiner typischen Noblesse dafür bedankt hat, dass er noch ein Lied als Zugabe singen dürfe, ertönt der "Kleine grüne Kaktus". Spätestens da hat er auch den letzten Besucher in der Stadthalle erobert.

Bilder