Dessau-Roßlau l Unter dem Thema "Aufbruch: Kurt Weill und die Medien" steht das Kurt Weill Fest 2014 vom 21. Februar bis zum 9. März. Artist-in-Residence ist die Anhaltische Philharmonie Dessau mit ihrem Generalmusikdirektor Antony Hermus. Unter deren insgesamt elf Programmbeiträgen ist einer, der, so Festivalintendant Michael Kaufmann, in besonderer Weise dafür steht, was das Kurt Weill Fest auch will. "Es ist im Geist von Kurt Weill, Grenzen zu überschreiten, offen zu sein, da passt dieses Projekt absolut perfekt."

Für die "Tweetfonie" hat sich Antony Hermus inspirieren lassen vom holländischen "Metropole Orkest". Dessen "Tweetphony" aus dem Jahr 2012 findet in Dessau eine eigene Umsetzung. Auf eine Parallele weist der GMD dennoch hin: "Das Orchester war damals durch Subventionskürzungen in seiner Existenz bedroht und wollte darauf aufmerksam machen. Unser Theater ist es jetzt auch."

"Jeder kann komponieren", beschreibt der Generalmusikdirektor die Konzert-Idee, die sich auf die digitalen "Autobahnen" begibt und die ganze Welt einbezieht. Schon jetzt können die Organisatoren auf ein großes internationales Interesse verweisen. So soll es gehen. Jan-Pieter Fuhr, der am Dessauer Theater unter anderem den Internetauftritt betreut, hat die Webseite www.tweetfonie.de entwickelt. Hier gibt es ein Klavier. Auf dem kann am 2. März, dem Geburtstag des Komponisten Kurt Weill (1900-1950), jedermann eine kurze Melodie einspielen. Mitmachen kann der musikalisch Gebildete oder auch der "Nur"-Musikliebhaber. Entscheidend ist, dass er einen Twitter-Account hat. Über diesen wird die in einen Code umgewandelte Melodie versandt.

"Wir hören uns das an und suchen aus, was ein schönes Thema ist", erklärt der GMD. Werden es viele, wie er bereits vermutet, muss auch der Zufall entscheiden. Die ausgewählten Tweets gehen an internationale Komponisten. 20 sind jetzt bereits im Boot, darunter Ed Harsh, Christoph Reuter oder die Kompositionsklasse aus Den Haag. Sie alle haben eine bis eineinhalb Stunde Zeit, um aus dem Material 45- bis 60-sekündige Stücke zu machen. Diese werden zurück ins Dessauer Bauhaus geschickt. Hier sitzt die Anhaltische Philharmonie auf der Bühne. In zwei Sessions von je drei Stunden wird die Musik dann unmittelbar aufgeführt.

"Die Zuschauer sind vor allem Zeugen des Prozesses", sagt Antony Hermus und ist, wie alle Beteiligten, "sehr gespannt, wie es gehen wird."